Das Bullereirad wartet vor der Tür

Ich gebe es zu, ich bin verwöhnt! Mein Mann kocht. Gelegentlich vor Wut aber meistens in seinem Reich – unserer Küche. Es ist schon ein Segen, Paul Bocuse geheiratet zu haben, es hat aber auch erhebliche Nachteile: Man wird pingelig, vor allem wenn man Essen geht und die übersichtlichen Kreationen auf den Restauranttellern lange nicht so gut schmecken, wie zu Hause. Der sparsame Blick des Obers beim „mein Mann kocht das aber besser!“ macht es auch nicht einfacher.

Zum Glück darf ich ab und zu kulinarische Überraschungen erleben,  bei denen auch mein Gatte bewundernd die Augenbrauen hochreisst und zugeben muss: „Der Arsch kann kochen!!“ Dieses Aha-Erlebnis hatte ich vor wenigen Tagen in der ‚Bullerei‘ im Schanzenviertel. Tim Mälzer und Patrick Rüther haben die ehemalige Viehhalle der Hamburger Schlachthöfe aufwendig saniert und 2009 eröffnet. Der erste Eindruck, den man beim Betreten der Bullerei-Halle bekommt, ist ein martialisch ehrlicher Blick ins Kühlhaus: Eine Tierhälfte baumelt neben Würsten in einem Schaufenster und mahnt: Achtung Ihr Veggies, hier wird FLEISCH gegessen! Und zwar Gutes, Gestreicheltes, das viel Zeit hatte, bevor es als wohlduftendes Steak, Entrecôte oder Filet auf dem Teller landet.

Das Servicepersonal der Bullerei ist jung, witzig, sehr gut ausgebildet und hier und da ein tätowiertes Gesamtkunstwerk. Auch unser Ober kümmert sich charmant um unser Wohlergehen – Aber Moment mal! Ober klingt so altbacken, wie nennt man Dich denn eigentlich richtig? „Jan!“, antwortet der Stationskellner lächelnd.  Er erinnert mich ein bisschen an Smudo von den ‚Fanta 4‘, nur das der uns vermutlich nicht den Unterschied zwischen Burrata und Mozzarella erklären könnte und auch nicht ganz so firm mit den perfekten Saucen zum Entrecôte ist.

Das Bullerei-Entrecôte…ja, das verdient einfach eine Extra-Zeile: SUPERKALIFRAGELISTIGEXPIALIGETISCH!

Butterzart ist massiv untertrieben. Man schmeckt durch den gesamten Abend, dass hier tatsächlich mit handwerklicher Bravur gute Nahrungsmittel in Gaumenfreuden verwandelt werden. Wenn die Sina mit geschlossenen Augen unentwegt „oh wie lecker!“ seufzt, dann hat der Gatte eine ernstzunehmende Konkurrenz zu fürchten!

Geheimtipp vom Stationskeller Jan-Smudo: Gelegentlich treten Bands wie Sasha oder Samy Deluxe als Überraschungsgäste auf und rocken die Hütte. Man kann dann zwar nicht mehr von einem Bein aufs andere treten aber wo erlebt man schon mal so eine grandiose Mischung aus kulinarischem Hochgenuss und rockigem Schanzenflair?