Foto mit freundlicher Erlaubnis von Ingo Siegner

Liest Ingo Siegner vor, hängen die Kinder an seinen Lippen und glucksen vergnügt über die lustigen Bilder, die er auf Flipcharts von seiner Figur zeichnet: Dem kleinen Feuerdrachen Kokosnuss. Ingo Siegner ist ein geborener Geschichten-erzähler und Autor der ‚Kokosnuss‘- Bücher hat keine Berührungsängste mit seinen Lesern und ist selten um eine Antwort verlegen. So hatten auch meiner Leser und Mit-Kokosnuss-Liebhaber(chen) so einiges zu klären. Ingo Siegner hat sich die Zeit für ein Interview genommen, um unsere Fragen in sprichwörtlich epischer Länge zu beantworten. Das Interview musste anschließend etwas gekürzt werden, sonst hätte es nicht ins Internet gepasst. Zum neuen Buch ‚Kokosnuss bei den Indianern‘ gab es auch schon ein paar spannende Neuigkeiten zu berichten…

Herr Siegner, was hat Sie vom Sparkassenkaufmann eigentlich zum kleinen Drachen Kokosnuss gebracht? Das ist eine lange Geschichte, wo fange ich an? Also, die Affinität zu Kindern hatte ich schon als ich jünger war: Ich habe meinen jüngeren Geschwistern immer vorgelesen und ihnen Geschichten erzählt. Während meines Studentenjobs bei einem Kinder-Reiseunternehmen entdeckte ich diese Leidenschaft wieder und habe sie perfektioniert, so gestikulierend erzählen, mit Stimme verstellen und so. In den 90er Jahren fing ich dann an, meine Geschichten aufzuschreiben.

Gab es da Kokosnuss schon? Ja, denn jedes Jahr habe ich für befreundete Kinder und für meinen eigenen Sohn eine Geschichte erfunden und illustriert und die dann zum Geburtstag verschenkt. Die Kinder haben sie heute noch. Da war auch einmal der kleine Drache Kokosnuss dabei. Für ein Kind das hieß Leon…ach nee, der heißt ja immer noch so (lacht köstlich). Das war nämlich die Geschichte mit dem Wal Kasimir. So kam auch der Kontakt zu einem Verlag zustande. In Gesprächen mit dem Verlag habe ich vorgeschlagen, dass Kokosnuss am besten bei den Kinder ankommt. Der Verleger fand das gut und fragte mich, ob ich denn auch die Bilder malen könnte. So habe ich mich hingesetzt, geschrieben und illustriert. Da war mein Ehrgeiz geweckt.

Luis (6 Jahre) fragt: Wie kommt Kokosnuss eigentlich zu seinem Namen? Das ist mir einfach so zugeflogen. Vielleicht habe ich ja an diesem Tag Kokosnusskuchen gegessen, während ich eine Geschichte geschrieben habe.

Sie müssen ein Herz für Eltern haben! Selbst beim 20. Mal lesen muss man immer an den gleichen Stellen herzlich lachen. Es wird nie langweilig. Worin liegt ihr Geheimnis, dass sie alle ins Boot holen? Mein Anspruch ist, dass mir als Autor die Geschichte selbst gefallen muss. Ich möchte lachen können und brauche die Spannung. Dafür nehme ich Dinge aus dem täglichen Leben öfter mal auf die Schippe oder zitiere aus Filmszenen, die die Erwachsenen kennen. Ich lese die Dialogen oft selbst gern und habe Spaß dabei. Bei Lesungen merke ich dann, dass die Eltern einen ähnlichen Humor haben wie ich. Die Kinder mögen es, weil ich schon immer mit Kindern reden konnte, sie ernst nehme und ihnen Dinge kindgerecht erkläre.

Nico (32 Jahre) möchte gern wissen, warum die kleine Maus überall auftaucht und was sie zu bedeuten hat? Als Kind liebte ich Suchbilder in einer Zeitung meiner Eltern. Da musste ich immer eine Maus suchen und als ich dann selber anfing Bilder zu zeichnen, wollte ich auch eine Maus verstecken. Die hat sich dann verselbständigt. Ich fand das total lustig, dass die Maus immer mit dabei ist.

Es sind mittlerweile 18 Bücher von dem kleinen schlauen Drachen entstanden, er hat die böse Wetterhexe Gula und den gemeinen Zauberer Ziegenbart ausgetrickst, ist mit Piraten und Wikingern gesegelt, werden Ihnen jemals die Ideen ausgehen? Bei den Themen, wie Pirat und Wikinger, kommt der Verlag und fragt, ob ich mir vorstellen könnte, ob Kokonuss so etwas mit seinen Freunden erleben könnte. Ich sag dann immer…joa könnte ich mir vorstellen.

Sie erarbeiten sich dann das Thema? Ja. Der eigentlich schwierige Prozess ist nicht, ‚ach jetzt mach ich mal was mit Rittern‘, sondern ‚ach, was mache ich denn dann da??‘ Ich gehe in die Bücherei und leihe mir Bücher zu den Themen aus. Manchmal kommt es dann vor, dass mich Themen so interessieren, dass ich selbst viel lerne: Beim Dschungelthema z.B., (Ingo Siegner erklärt mir Dinge, die für das Überleben im Dschungel wichtig sind) das hat mich richtig gefesselt. Es ist eigentlich erst mal ein Brainstorming und dann kommt der eigentlich kreative Teil.

Welches Buch hat ihnen den größten Spaß bereitet? Am meisten Spaß hat mir der erste Band gemacht, weil der so frei ist. Da habe ich mir einfach sechs Geschichten ausgedacht und das sind alles Dinge, die Kinder und Erwachsenen faszinieren. Ich sag‘ mal nur Höhlenungeheuer…

 …in den bösen Buckeln Genau, oder mit einer Rakete zum Mond fliegen, woll’n ja alle. Ja und Hexen und Zauberern, ist ja toll, weil die ja immer zaubern können. Wenn man dann eben nicht mehr weiter kommt in der Geschichte, können die immer zaubern und dann kommt man wieder weiter. Persönlich finde ich das mit dem Höhlenungeheuer am besten. Denn das ist ja ein klassisches Thema: Da geht es um Vorurteile, die in den Köpfen der Leute entstehen. Kokosnuss glaubt das nicht, der kann sich nicht vorstellen, dass das Höhlenungeheuer so groß und gefährlich ist und will es selber herausfinden. Ich habe es eigentlich intuitiv geschrieben aber für mich ist die Aussage, dass man offen für Fremdes ist, sehr wichtig. Ja und das Indianerbuch natürlich!

Na, das ist doch eine prima Überleitung, denn im September kommt das neue Kokosnussbuch heraus (‚Kokosnuss bei den Indianern‘) und wir sind alle so gespannt, welches Abenteuer die Freunde erleben werden, können sie etwas verraten??? es ist nämlich deshalb mein Lieblingsbuch, weil es ziemlich schnell geschrieben war und mir dabei tausend Ideen gekommen sind. Ich war nämlich als Kind immer Cowboy…soll ich kurz was aus dem Buch erzählen?

Ja gerne! Also, der Papa von Oskar dem Fressdrachen mag ja so gerne Büffel und schickt also Oskar und seine Freunde Kokosnuss und Mathilda los, um Büffelfleisch zu besorgen. Oskar ist stinksauer, er mag ja kein Fleisch und er weiß auch gar nicht, wie er da hinkommen soll…dann fliegen sie also mit der dem Flugdrachen Eugen – der hat so eine Fluglinie – in die Prärie. Bei dem Versuch den Büffel mit einem Lasso zu fangen, treffen die drei Freunde auf eine kleine Indianerin, die ihnen erklärt, dass man Büffel nicht mehr jagen darf. Die Weißen haben so viele getötet, dass die Indianer beschlossen, die Büffel zu schützen. So lernt Kokosnuss die Indianer kennen und das Abenteuer geht los! Da werden auch die Papas und Mamas auch ihren Spaß haben.

Da ist jetzt noch Luisa (6 Jahre), die gern wissen möchte, wie denn bitteschön Kokosnuss sich im Ei etwas im Kiosk kaufen soll? Woher hat er denn das Geld? Es gibt ja in jedem Drachenei einen Geldautomaten. Aber mal offen gesagt, diese ganze Geschichte mit dem Ei und dem Kiosk habe nicht ich mir ausgedacht, sondern Kinder auf einer Lesung. Da war dann zunächst ein Kiosk im Ei und damit Kokosnuss auch etwas kaufen kann, rief dann ein Mädchen, dass es dort auch ein Geldautomaten gibt. Eigentlich ist es die Geschichte der Kinder und ich erzähle sie so weiter.

Tina (32 Jahre) fragt, warum Kokosnuss und Lulu bei der Reise um die Welt lediglich einen Zettel für die Eltern hinterlassen, ob die sich denn keine Sorgen machen? Das ist bei Drachen einfach anders als bei uns. Die Eltern sind da lockerer. So ein Drachenkind muss auch mal verreisen können, der muss dann natürlich gut auf sich aufpassen. Die kleinen Drachen sind relativ früh selbstständig. Das ist bei uns Menschen natürlich anders.

Bennett (5 Jahre) möchte brennend wissen, ob die Drachenhöhlen, das Zuhause von Kokosnuss, nicht unbequem und kalt sind? Oh nee, üüüüüüüerhaupt nicht. Erst mal sind ja Drachen nicht so empfindlich wie wir. Außerdem haben die da ein Lagerfeuerchen darin. Meistens ist es auf der Dracheninsel sehr heiß und dann sind die Höhlen sehr angenehm.

Laura (5 Jahre) interessiert, warum Onkel Magnus soviel über die bösen Buckel weiß, obwohl ja noch niemand dort war? Ja ja, ob Magnus das wirklich weiß, ja, der hat das auch nur gehört…wie die anderen auch, das ist so ein bisschen wie Stille Post und dadurch sind dann Geschichten entstanden und der Magnus erzählt gern Geschichten und übertreibt auch gerne mal, damit es spannender ist. Ob er es selber je gesehen hat, glaube ich ja nicht.

Isabell (32) beschäftigt die Frage, wie wichtig ein Happy End für Sie ist? (Grübelt ganz lange…) Ganz wichtig. Aber darüber denke ich nicht nach, das schreibe ich einfach so. Für mich muss am Ende alles gut sein. Das ist eine Frage, die hat mir noch nie jemand gestellt und ich habe sie mir auch noch nie gestellt.

Das kommt dann automatisch? Ja, eine Geschichte schreibe ich nach Gefühl. Ich verpacke nicht absichtlich eine Botschaft. Wenn sie drin ist, dann ist sie drin. Die Figur Kokosnuss hat ja von Natur aus eine positive und offene Haltung zur Welt, er ist schlau und neugierig und das ist doch schön. Es sind Traumwelten, in denen man selbst gern sein möchte, da sollte auch alles gut ausgehen. Ich werde aber noch mal in mich gehen und drüber nachdenken.

Vielen Dank für das Gespräch!