...mal anders!

Oper?! Allein das Wort löst bei Euch schlagartig einen Fluchtreflex aus? Alles was Euch dazu einfällt, sind dicke Frauen mit Wikingerhelmen, die viel zu lange Wagner-Arien schmettern, während ihr neidisch beobachtet, wie das Kinn Eures Sitznachbarn langsam auf seine Brust sinkt und er selig Schäfchen zählt? Dann ist die Zeit absolut reif, sich in einer Opern-Aufführung mal gepflegt einen hinter die Binde zu kippen, während die Sängerinnen ihren Busen lasziv an Eurem Tischnachbarn reiben. Wie? Sowas passiert in der Oper nicht? Ihr wart wohl noch nicht beim Sängerkrieg im Hamburger Opernloft…ich schon und hach, es war ein Erlebnis!

Der Sängerkrieg ist eine von insgesamt 13 Inszenierungen des Opernlofts und besticht durch seinen simplen Handlungsstrang, der sich auf eine Formel zusammenfassen lässt: Drama, Baby! Vier Sänger treten in alter Tannhäuser-Manier in einem Gesangsbattle gegeneinander an. In sechs Kategorien, wie z.b. ‚Operette sich wer kann‘ oder ‚Zum Glück bin ich unglücklich‘ trällern die Opernloft-Trubadixe für eine begrenzte Zeit ihre Seele aus dem Leib. Überziehen sie, werden sie gnadenlos von der Bühne gebuzzert. Neben Arien aus bekannten Opern wie Carmen oder la Bohème, kommt das Publikum auch in den Genuss von Werken unbekannterer Komponisten. Auf dem Weg zur Gunst des Zuschauers, scheuen die Sänger auch nicht vor dem gezielten Einsatz sexueller Reize.

Das Publikum entscheidet nämlich, wer den Krieg gewinnt: Wer die Menge mit seiner Darbietung zum Kochen bringt,  gewinnt die Runde. Der überaus ambitionierte Bühnen-Nachwuchs weiß sehr wohl, wie er das Opernloft-Publikum auf seine Seite zieht: So ergriff ein knackiger Tenor beherzt mein ‚eiskaltes Händchen‘, blickte mir tief in die Augen und erfüllte sodann den Saal mit seiner atemberaubenden Stimme. Kurz bevor ich in den gasförmigen Aggregatzustand überging, ließ er von mir ab und vollendete sein Liebeslied auf der Bühne. Ähem…eigentlich war Klatschen das Einzige, was ich danach noch zustande brachte. Die attraktive Sopranistin war nicht minder überzeugend und setzte sich flugs auf den Schoß meines Tischnachbarn. Die Runde ging seltsamerweise an sie.

Und wann kommt der Alkohol, höre ich die Durstigen rufen?? Der kommt nach jeder Gesangseinlage. Das Publikum darf sich der Illusion hingeben, Ahnung von klassischer Musik zu haben und wahlweise die Komponisten oder Namen der vorgetragenden Oper reinrufen. Liegt man richtig, wird das von der Moderation mit einem Schnäppschen belohnt. Kleiner Tipp für Studenten der Musikwissenschaft: Ihr könnt hier locker einen feuchtfröhlichen Abend bestreiten, also kommt besser nicht mit den Auto. Für uns Opernignoranten bleiben da nur die Zufallstreffer wie: ‚Oh, ich glaub das war ’ne italienische Oper…?!‘ ‚Jaaaa! Richtig! Dafür gibt’s ’nen Kurzen!‘ Da die Moderation gelegentlich mit den allwissenden Musikstudenten anstösst, wird zu fortgeschrittener Stunde gern mal über kleine Musik Schnitzer des unwissenden Volkes hinweggesehen: ‚War das Verdi? Oder doch Wagner??‘ Im-Dunkeln-Tappen bringt hier und da auch mal ein Gläschen.

In der Fuhlentwiete 7 gehts rund

Abgesehen von dem riesen Spaß, den man während der Aufführung mit den amüsanten Moderatoren hat, sorgen die Talente auf der Opernloft-Bühne für eine große Ladung Gänsehaut – auch und besonders wenn man kein regelmäßiger Operngänger ist. Das internationale Ensemble bietet zahlreiche Gesangstalente, die das Loft als Karriere-Sprungbrett nutzen. Frisch und unverbraucht geben sie einfach ALLES. Das Opernloft hat es geschafft, dieses Genre in ein für jedermann zugängliches Format zu bringen und macht einfach Lust auf mehr! Hicks.

Kleiner Tipp: Neben dem Sängerkrieg lohnt es sich auf jeden Fall, die vielen weiteren Inszenierungen anzuschauen. Mehr Infos und den Spielplan des Opernlofts findet Ihr hier!