Laura und Sabrina von SugarShape

Die SugarShape-Girls Sabrina Schönborn und Laura Gollers haben im wahrsten Sinne ein kurvenreiches Jahr hinter sich. Seit ihrem Sieg beim Startup-Weekend Hamburg im letzten Jahr ist viel passiert. Sie haben mit SugarShape einen Online-Shop für BHs in außergewöhnlichen Größen etabliert, der als eine Co-Creation-Community die Kunden in die Produktentwicklung einbindet (mein letzter Blogpost stellt die beiden außergewöhnlichen jungen Damen einmal vor – also gern mal reinlesen!). Nach einem Jahr war ich sehr neugierig, wie sich das Unternehmen gemausert hat und hatte 1001 Frage an die Beiden. Also lud ich zum Kurvengespräch auf ein Käffchen mit den SugarShape-Mädels. Macht Euch doch auch schnell einen und gesellt Euch zu uns :).

Sagt mal, so eine Idee, wie die der Co-Creation-Community von SugarShape fällt einem ja nicht gerade unter Dusche ein? Wie ist sie eigentlich entstanden?

Sabrina: Eines Sonntags im Frühjahr 2011 saßen wir mit unserer Familie am Frühstückstisch, als Laura und ich uns mal wieder darüber beschwerten, dass es keine schönen BHs in unserer Größe gibt. Irgendwann hatte mein Mann dann genug und meinte trocken: „Dann macht das doch selbst.“ Naja, der Rest ist Geschichte…

Laura: Noch am selben Tag begannen wir zu recherchieren, ob es auch anderen Frauen so ergeht wie uns und stießen dabei auf eindeutige Zahlen. Die Nachfrage nach hübschen Dessous in Größen jenseits von 75B ist groß, aber bislang wird diese Zielgruppe von der Wäsche-Branche weitgehend ignoriert. Bestimmte Größen erhält man, wenn überhaupt, nur in einem „Sanitätshaus“… kannst dir ja vorstellen, wie sexy diese hautfarbenen Panzer-BHs dann sind.

Oh ja, die hautfarbenen Modelle ‚Madonna-Spitzbrust-in-Übergröße‘ meiner Oma sind mir auch noch in schrecklicher Erinnerung…

Laura: Eben, so fühlen sich viele Frauen gezwungen, BHs in kleineren Größen zu kaufen, was nicht nur blöd aussieht, sondern auch zu Rücken-, Nacken- und Kopfschmerzen und Brustverformung führen kann. Und da wir SugarShape nicht nur für uns gegründet haben, sondern auch für alle anderen Frauen, für die der Wäschekauf bisher eine Tortur war, war von vorne herein klar, dass wir unsere Zielgruppe ganz eng in den Produktentwicklungsprozess einbeziehen wollen.

Das ist aber schon eine besondere Herausforderung, oder?

Laura: Natürlich kann man es nicht allen recht machen und Design ist und bleibt eine Geschmacksfrage. Aber manche Dessous-Muster auf dem Markt sehen echt aus, als würden sie nur einer einzigen Person auf der ganzen Welt gefallen: dem Produktdesigner. Diesen Fehler wollten wir nicht machen. Außerdem bieten wir zu jeder Kollektion neuartige Individualisierungs- und Kombinationsmöglichkeiten an, die wir zukünftig noch weiter ausbauen wollen. Das Ziel ist ganz klar der Traum-BH für jede Kundin!

Wie reagieren eigentlich die klassischen Medien außerhalb des e-Commerce-Segments auf Eure Idee?

Sabrina: Wir haben bereits vor unserem Shop Launch Anfragen von Frauenzeitschriften und Fernsehproduktionsgesellschaften erhalten, die uns und unser Konzept spannend finden. Wir haben uns dann aber bewusst dafür entschieden, die Massenmedien erst zu bemustern, wenn wir die Prozesskette einmal erfolgreich durchgespielt und genug Ware auf Lager haben, damit wir die potentielle Nachfrage dann auch einwandfrei bedienen können.

Wir sind sowieso sehr überrascht, wie viele Presse- und Blogberichte wir jetzt schon bekommen haben, ohne jegliche PR-Arbeit von unserer Seite. Sogar ein Nachrichtenmagazin aus Österreich hat eine Story über uns gebracht.

Ihr habt SugarShape (damals ja noch Cupcakes) beim Startup-Weekend Hamburg 2011 vorgestellt und heute seid Ihr bekannte Gesichter in der e-Commerce Szene, habt Ihr Euch die Entwicklungen so vorgestellt oder musstet Ihr vom eigentlichen Plan abweichen?

Laura: Beim Startup Weekend war unsere Idee noch sehr frisch und wir wollten sie erst einmal einem Reality Check unterziehen. Damals hatten wir noch gar keinen festen Plan, wie es weitergehen sollte.

Sabrina: Als vor der Siegerehrung bekannt gegeben wurde, dass es noch einen spontanen Sonderpreis geben würde, hatten wir ehrlich gesagt gedacht, dass der an uns gehen soll, so als „Trostpreis“ für das Frauen-Team. Das wir am Ende den ersten Preis gewinnen, hätten wir nie im Leben gedacht! Und weil wir dann auf einmal so viel Zuspruch von allen Seiten erhalten haben, haben wir einfach immer weitergemacht. Irgendwann mussten wir dann aus Zeitmangel unsere bisherigen Jobs aufgeben.

Laura: Das war wie in einer Beziehung, in die man halt so reinschliddert. Irgendwann fragt man sich: „Sind wir eigentlich zusammen?“ „Ja, sieht wohl so aus…“

Sabrina: Damals hatten wir noch vor, eine echte Online-Community aufzuziehen mit User Profilen, Messaging und so. Allerdings kristallisierte sich dann im Rahmen unseres „Curvy Table“ (eine Offline-Diskussionsrunde mit unserer Zielgruppe) heraus, dass die Frauen neben Facebook & Co. keine Zeit und Energie für noch ein Netzwerk haben. Der Co-Creation-Ansatz funktioniert momentan auch ohne großes Community-Gedöns. Wer öffentlich diskutieren und mit anderen Usern interagieren möchte, kann dies auf Facebook, Twitter oder unserem Blog tun, aber man kann auch vertraulich seine Ideen einreichen.

Der digitale Informations-Overflow hat Euch also auf bestehende Netzwerke aufsetzen lassen, um eure Zielgruppe zu erreichen? Welche Erfahrungen habt Ihr dann mit diesem Kommunikationsmodell gemacht?

Laura Gollers und Sabrina Schönborn (Foto: Sugar Shape)

Laura: Es ist irre, wie involviert unsere Kundinnen sind, gerade im Vergleich zu anderen Online-Shops. Die machen SugarShape zu ihrer persönlichen Sache. Das sieht man besonders daran, was passiert, wenn mal etwas nicht auf Anhieb passt. Wir haben bislang keine einzige Retoure erhalten, die nicht von einer sehr ausführlichen Erklärung des Rückgabegrundes begleitet wurde, oft zusätzlich durch mehrere Fotos illustriert. Oft nehmen die Kundinnen bereits vor der Bestellung Kontakt mit uns auf, um sich optimal beraten zu lassen. Fast alle Kundinnen geben SugarShape übrigens bei Nichtgefallen des BHs eine zweite Chance und bestellen eine andere Größe.

Sabrina: Das Highlight unseres Tages sind die süßen Emails, die wir von zufriedenen Kundinnen erhalten. Die schreiben dann z.B. „und ganz liebe Grüße an Deine Schwester“, obwohl sie die natürlich noch nie kennengelernt haben. Aber sie merken halt, dass hinter SugarShape zwei Menschen stehen, denen ihre Kurven am Herzen liegen. Dieser persönliche Kontakt ist unsere Stärke im Vergleich zu großen, anonymen Textilkonzernen. Uns geht es nicht vorrangig darum, eine schnellen Euro zu machen, sondern langfristige Kundenbeziehungen und eine glaubwürdige Marke aufzubauen.

Obwohl Dessous naturgemäß eher Frauensache sind (Schahatz, fällt dir was auf? Haste ne neue Frisur…?? ähm…nee, neue Wäsche!), habt Ihr auch sehr aktive Männer in der Community, Außerirdische oder Frauenversteher?

Sabrina: Tatsächlich kennen sich die Männer von Frauen, die Probleme beim BH-Kauf haben, in der Thematik sehr gut aus, weil sie es ja aus erster Hand mitkriegen. Uns erzählen Frauen öfters, dass sie durch männliche Bekannte oder ihren Partner auf uns aufmerksam gemacht wurden. Es gibt da auch ein paar ganz eifrige Helferlein, die immer fleißig SugarShape Firmenkärtchen an potentielle Kundinnen aus der Bekanntschaft verteilen. Offensichtlich eignen die sich auch als originelle Anmache ganz gut. Viele von unseren User Models wurden übrigens von männlichen SugarShape Fans akquiriert.

Laura: Vielleicht sollten wir mal über einen Dating-Service als Nebengewerbe nachdenken. Eines unserer Models haben wir sogar schon erfolgreich verkuppelt.

Klingt jedenfalls, wie ein interessantes Business-Modell, dass sich prima einbinden ließe…Ihr plant ja auch eine Men’s choice Edition für die nächste Produktion, also müssen die Männer schon eine relevante Zielgruppe sein, wie viele sind es denn?

Sabrina: Bisher haben wir die Männer noch nicht aktiv angesprochen. Das wird sich für unsere Men’s Choice Edition natürlich ändern, die für die zweite Jahreshälfte geplant ist.

Habt Ihr viele Bewerbungen aus Eurem Kundinnenkreis, die gern SugarShape-Modell sein wollen? War das eine spontane Idee oder lange strategisch geplant?

Die Models sind allesamt Kundinnen von SugarShape (Foto: SugarShape)

Sabrina: Wir werden nahezu überhäuft mit Bewerbungen und sind wirklich begeistert, wie hübsch und selbstbewusst unsere Kundinnen sind. Wir könnten glatt einen ganzen Katalog shooten, aber so viele Produkte haben wir ja noch gar nicht. Bei der Auswahl kommt es für uns darauf an, eine größtmögliche Bandbreite zu zeigen, so dass jede Kundin ein User Model findet, mit der sie sich identifizieren kann. Nach dem Motto: Wenn der BH an ihr gut aussieht, dann wird er es wahrscheinlich auch an mir tun.

Laura: Uns war von Anfang an klar, dass nur Kundinnen als Model für SugarShape in Frage kommen würden. Denn wir hatten selbst davon die Nase voll, BH-Modelle für große Cups an klapperdürren Supermodels präsentiert zu bekommen. Wie soll man denn so erahnen, wie das in 75G aussieht?

Ihr habt SugarShape zu erst aus eigener Tasche finanziert und sammelt dann auf einen Schlag 100.000 Kapital über das Seedfunding ein. Was plant Ihr jetzt mit diesem Geld?

Sabrina: Das Kapital aus dem Crowdfunding wurde noch durch Business Angels ergänzt und wird vor allem für die Sortimentserweiterung, die Steigerung unserer Markenbekanntheit sowie zur Neukundenakquise genutzt. Auch ein Teil unserer Personalkosten für das erste Geschäftsjahr soll davon gedeckt werden.

Wenn man plötzlich 171 Investoren hat, setzt Euch das unter einen Erfolgsdruck? Fühlt man sich da ein bisschen verantwortlich?

Sabrina: Wir könnten uns sowieso kaum verantwortlicher fühlen als jetzt schon. SugarShape ist unser absolutes Herzensprojekt und ein neuer Hoffnungsschimmer für viele unserer Kundinnen, die wir auf keinen Fall enttäuschen wollen. Außerdem haben wir ja auch selbst investiert und überlegen uns allein deshalb schon bei jeder Ausgabe, ob wir das nicht auch noch günstiger hinkriegen können. Wir wollen, dass alle unsere Entscheidungen für die Investoren nachvollziehbar sind.

Laura: Wo wir allerdings keine Kompromisse eingehen ist die Produktqualität, die bei uns an oberster Stelle steht. Deshalb lassen wir auch in der Türkei produzieren, wo wir mal eben schnell hinfliegen können, wenn eine Entscheidung ansteht.

Die erste Produktionsrunde liegt jetzt hinter Euch und Ihr füllt fleißig das Lager, wie zufrieden seid Ihr mit den Bestellungen? Ihr habt ja der Community die Möglichkeit der Vorbestellung gegeben, wurde die genutzt?

SugarShape lässt den Buchstabensalat weg und misst in zwei Größen: Unterbrunst- und Brustmaß (Foto: SugarShape)

Sabrina: Mit den Vorbestellungen sind wir sehr zufrieden, wenn man bedenkt, dass wir bislang aus genannten Gründen 0 € an Werbebudget ausgegeben haben. Bisher läuft alles über Mund-zu-Mund-Propaganda und Social Media. Wir hatten es nicht für möglich gehalten, dass Frauen aus ganz Deutschland und Österreich einem ganz frischen, unbekannten Startup so einfach ihr Geld überweisen, ohne dass wir überhaupt einen definitiven Liefertermin nennen konnten. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, ob ich das gemacht hätte. Obwohl sich die Lieferung sogar noch verschoben hatte, weil wir im letzten Moment noch die Bügelqualität optimiert hatten, gab es nicht einen Widerruf. Vielleicht lag es auch daran, dass wir den Vorbestellerinnen einen gratis Bra Charm geschenkt haben, als Dankeschön für ihre Geduld.

Laura: Momentan arbeiten wir gerade an unserer neuen Bikini-Kollektion, übrigens auch ein Wunsch der Crowd. Jetzt, wo der Sommer in Deutschland anbricht, können unsere Kundinnen es kaum noch erwarten.

Wann plant ihr denn so, Eure Gewinnzone zu erreichen?

Sabrina: Da wir noch ganz am Anfang stehen, haben wir noch keine wirklich aussagekräftigen Erfahrungswerte, auf denen wir eine valide Planung aufbauen können. Deshalb sind wir mit solchen Prognosen noch sehr vorsichtig.

Und wo seht Ihr Euch in drei Jahren? Gibt es dann endlich Wäsche für kleine Körbchen, damit ich auch endlich sagen kann: Den BH hab ich mir selbst zusammengevotet?

Laura: Wir erhalten tatsächlich viele Anfragen von Frauen, die sehr kleine Körbchen benötigen. Anscheinend gibt es dort auch noch eine große Marktlücke. Allerdings bieten wir auch jetzt schon kleine BHs an, nämlich für zierlich gebaute Frauen mit sehr kleinen Unterbrustbändern. Du braucht also keine „Riesenbrüste“, um SugarShape tragen zu können. Unsere kleinste Größe ist momentan 65/80 (Unterbrustumfang: 65 cm, Brustumfang: 80 cm). Das ist gerade mal eine kleine Handvoll. Gerade in diesem Bereich haben wir viele begeisterte Kundinnen, die früher mit ihrem Unterbrustband locker Seilspringen konnten.

Sabrina: Hast Du Dich denn schon einmal vermessen? Vielleicht passt Du da ja jetzt schon rein! Warte, ich hole mal mein Maßband raus…

Oh, dann mach ich mich gleich mal frei…und Ihr, liebe Leser, schaut jetzt mal kurz weg (oder vertreibt Euch mit dem ersten SugarShape Artikel auf sinaswelt.com etwas die Zeit ;))