Internet-Insel Hamburg

Der Kreis der Geschichte schließt sich: Die Spiegelinsel im Laufe der Zeit und das Internet-Insel-Lego-Modell Foto: Mit freundlicher Erlaubnis von B. Storm

Berlin ist sexy, Hamburg nicht. Das Bild, das der Hamburger Gründer-Promi Lars Hinrichs (XING, HackFwd) so plakativ prägte, bestätigt sich, wenn man die  Berichterstattung über die internationale Gründerszene verfolgt: Berlin, die angesagte Startup-Metropole mit verruchtem ‚Blauer-Engel-Charme’- schnelllebig, preiswert, begehrt. Dagegen gleicht Hamburg eher der teuren, zugeknöpften Schwester mit Perlenohrringen, die auf der wilden Geek-Party keine Beachtung findet. Benjamin Storm, Wahlhamburger und selbständiger Unternehmer mit ZEBRA insect screens, will das ändern. Er ist überzeugt, die Hamburger sind reif für die Insel: Für die Internet-Insel. Storm opfert seit einem halben Jahr jede freie Sekunde, um unserer hanseatisch zurückhaltenden Schönheit ein Leuchtturmprojekt zu beschaffen, über das die Internet-Welt sprechen wird und das Gründer und Investoren magisch anzieht. Berlin…wo?

Ein Leuchtturm für die Spiegelinsel

Ein Leuchtturm gehört auf eine Insel, dachte sich Benjamin Storm, als er bei einem Spaziergang am Dovenfleet die leerstehenden Gebäude auf der Spiegelinsel betrachtete. Und da war sie auch schon, die Vision: Wie wäre es, wenn die Spiegelinsel zum Internet-Hub für Hamburg wird? Ein Ort, an dem die weit verstreute Internet- und Gründer-Gemeinschaft ein bezahlbares und gut vernetztes Zuhause findet. Ein Synergien-Pool, der in einem Atemzug mit Silicon Valley in Kalifornien oder Silicon Roundabout in London genannt wird. Silicon-Island, wie Storm es nennt. Verdammt verführerisch, dachte er sich und rief das Projekt Internet-Insel ins Leben:

‚Auf der alten Spiegelinsel kann der neue Campus für die Internetszene Hamburgs entstehen und der Medien- und Internetstandort Hamburg nachhaltig gestärkt werden. Das gesamte Nutzungskonzept passt perfekt zu den Anforderungen der hanseatischen Städteplaner. Es schlägt die Brücke zwischen Alster und HafenCity, bringt Kreativität und junge Menschen in die Innenstadt und bringt der Willy-Brandt-Straße die Ladenzeilen und das Fußgängerleben zurück.’

Da Benjamin Storm ein pragmatischer Mensch ist, erklärt er die Flexibilität des Konzepts anhand eines Lego-Modells. (siehe Bild oben) Die farbigen Teile markieren die möglichen Mietflächen, die für kleine Unternehmen bis zu 20 Mitarbeitern, Coworking-Spaces oder auch große Unternehmen geeignet sind. Die Mietpreise lägen im Schnitt zwischen 12,50 und 20 Euro pro qm. Big Player könnten ganze Stockwerke mieten, um diese dann bei Bedarf weiter zu vermieten. Ein besonderes Bonbon hält das Konzept für die ganz klammen Gründer bereit: Mit ‚Office-for-equity’ können Startups Firmenanteile für Büroraum abgeben, und so mietfrei ihr Business starten. Wachstum ist beim Insel-Konzept Programm. Doch nicht nur das, Storm träumt von einem Arbeits- und Lebensraum. Work-Life-Balance-Deluxe:

‘Mit einem Veranstaltungszentrum, Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants & Cafés, Beach-Club über den Dächern Hamburgs, Fitnesscenter, Kindergarten und großzügigen Terrassen im parkähnlichen Innenhof, lädt die Insel zum Verweilen und Wohlfühlen ein.’

35.ooo qm begehrte Gewerbefläche

Das Insel-Gelände, auf dem die denkmalgeschützten Spiegel- und IBM-Hochhäuser stehen, bietet rund 35.000 qm Bürofläche. Nahezu jeder Quadratzentimeter ist bereits vorbestellt. Die potentiellen Mieter warten ungeduldig. Benjamin Storm hat für sie eine gute Nachricht: Das IBM-Gebäude müsste lediglich renoviert werden. Da es weniger Kosten als eine Sanierung verursacht, würde es sich drastisch auf die Mietpreise auswirken. So könnte bereits in kurzer Zeit günstiger Gewerberaum für Hamburger Unternehmen zur Verfügung stehen.

Die Lage und Historie der Spiegelinsel prädestinieren diesen Ort für ein zukunftsweisendes Projekt: Ende des 19. Jahrhunderts wurde an dieser Stelle das erste Kaufmannsgebäude errichtet, das nur zum Arbeiten konzipiert wurde. Das Kontorhaus Dovenhof beherbergte 60 Firmen, verfügte über Europas ersten Paternoster, eine Dampf-Heizung und eine Rohrpostanlage. Während der Bauphase der Ost-West-Straße wurde das Gebäude abgerissen. An gleicher Stelle entstand 1965 das Spiegelhochhaus, das bis zum Umzug 2011 dem Spiegelverlag ein Zuhause gab. Auch das benachbarte IBM-Gebäude hat einen Aha-Effekt zu bieten: Wusstet Ihr, dass das IBM-Gebäude einer Hollerith-Lochkarte nachempfunden ist, dem Großvater des USB-Sticks?

Warten auf die Internet-Insel

Nun besteht Möglichkeit diesen historischen Kreis zu schließen und die Insel zu DEM Place-to-be für die Hamburger Internetbranche zu machen. Dieser Meinung sind nicht nur ein Großteil der Hamburger Internetszene und etablierte Unternehmen wie z.B. der OTTO-Konzern, Benjamin Storm überzeugte auch die Hamburger Politik. Die Bezirksversammlung Mitte mit SPD-Fraktionsvorsitzenden Falko Droßmann unterstützt das Projekt. Die Bezirksversammlung hat vor kurzem mit einem städtebaulichen Vertrag sichergestellt, dass das Internet-Insel-Konzept für jeden zukünftigen Eigentümer bindend ist und nur eine Baugenehmigung erteilt wird, wenn das Konzept berücksichtigt wird. Ebenso sprach sich auch Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz öffentlich für die Idee der Internet-Insel aus.

Wir warten auf die Internet-Insel: Die Hamburger Internet- und Gründerszene ist reif für die Insel und trifft sich zum Smartmob

Alle Weichen scheinen gestellt, warum stehen die Gebäude immer noch leer? Die Antwort ist so einfach wie frustrierend: Noch gehört das Grundstück der IVG Immobilien AG, die mittlerweile ein geheimes Bieterverfahren für das Areal eingeleitet hat. Benjamin Storm nimmt mit seinem Investor, der Hamburger Immobilien Handlung (HIH), daran teil. Eine Entscheidung hätte es bereits Mitte April geben sollen. Es herrscht lähmende Ungewissheit. Benjamin Storm hat bereits ein halbes Jahr seiner Freizeit geopfert und seinen eigentlichen Beruf, den Online-Vertrieb von Fliegengittern und Insektenschutz, vernachlässigt. Wie geht es nun weiter? Ihr wisst ja, ich bin notorisch neugierig und möchte noch mehr über das Projekt wissen. Also habe ich Benjamin auf ein Käffchen eingeladen, um Ihn etwas über die Internet-Insel auszuquetschen. Bleibt also gespannt!

Um Eure Wartezeit etwas zu verkürzen kommen hier noch ein paar interessante Links zu diesem Thema. Besucht doch auch mal mein keeeb-Board. Hier findet Ihre alle Artikel und Videos zur Internet-Insel!

Update 1 vom 02. August 2012: Der Eigentümer IVG hat das Grundstück an Hochtief Solutions verkauft. Hier gehts zum Internet-Insel Blog für mehr Information.

Update 2: Und hier zum Interview mit Benjamin: Auf ein Käffchen mit Benjamin Storm .

Weitere Links:

http://www.gruenderszene.de/allgemein/flaschenposting-benjamin-storm-internetinsel

http://www.startupcareer.de/10375/internetinsel-hamburg-startup-buroraume/

http://www.digitalmediawomen.de/2012/03/06/hamburg-meine-insel/

http://www.gruenemitte.com/2012/03/27/eine-internetinsel-f%C3%BCr-hamburg-an-der-brandstwiete-die-gal-hamburg-mitte-unterst%C3%BCtzt-lokale-ideen/

4 Gedanken zu “Internet-Insel Hamburg

  1. Pingback: Internet-Insulaner Benjamin Storm

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