Eine bunte Auswahl: Die Gerüche unserer Umwelt sind mannigfaltig

Mund auf, Augen zu! Wir beginnen mit einer geschmackvollen Aufgabe: Schnappt Euch eine saftig rote Kirsche und „vernascht“ sie ganz bewusst! Wonach riecht sie? Wo schmeckt man sie auf der Zunge? Wie fühlt sie sich im Mund an? Wir könnten dieses sinnliche Erlebnis nicht konkret beschreiben, den Geruch jedoch immer wiedererkennen. Der Mensch ist ein olfaktorisches Genie: Unsere Nase kann mit 350 unterschiedlichen Geruchsrezeptoren an die 10.000 verschiedene Düfte unterscheiden. Sie entscheidet hauptsächlich darüber, was wir schmecken. Schon als Säuglinge hilft uns unsere Nase bei der Suche nach der Milch und bewahrt uns davor, giftige Substanzen zu schlucken. Um so trauriger ist es, dass unsere Kinder zunehmend verlernen, ihren Sinnen zu vertrauen. Die natürlichen Feinde des guten Geschmacks heißen Geschmacksverstärker und künstliche Aromen. Lautlos und beständig infiltrieren sie unsere Speisepläne. Da hilft einzig und allein, mit vollem Öko-Power gegenanzusteuern.

Geruchs-(ur)-sinn

Die Fähigkeit des Riechens ist der älteste Sinn des Menschen und ist mächtiger, als wir denken: Allen emanzipatorischen Errungenschaften zum Trotz, ist unsere Nase eine subversive Kupplerin. Sie hat bei unserer Partnerwahl eine gewisse Entscheidungshoheit. Sie hilft uns einen ‚duften’ Partner zu finden, der sich genetisch möglichst von uns unterscheidet. So besteht eine größere Chance, Nachkommen zu zeugen, die eine gute Immunabwehr haben. Die Aussage: ‚Ich kann Dich gut riechen!’ kommt nicht von ungefähr.

Gerüche können unserem Erinnerungsvermögen auf die Sprünge helfen: Lernt man mit einem bestimmten Duft für eine Prüfung, wird man sich besser an das Gelernte erinnern, ist dieser Duft während der Prüfung wieder wahrnehmbar. Wer denkt, dass die Zunge über den Geschmack entscheidet, der irrt gewaltig. Wie essentiell die Nase für unseren Geschmacksinn ist, wird uns schlagartig bewusst, wenn bei einem Schnupfen alles irgendwie gleich schmeckt, nämlich nach gar nichts.

Kinder ohne Geschmack

Die besorgniserregende Entwicklung der Geruchsarmut unserer Kinder beschreibt eine Studie der Österreichischen Gesellschaft für Agrarmarketing. Sie zeigt, dass jedes 4. Kind zwischen 10 und 13 Jahren nicht zwischen salzig, sauer, bitter und süß unterscheiden kann, geschweige denn in der Lage ist, unterschiedliche Düfte zu identifizieren. Schuld daran sind unter anderem künstlich hergestellte Lebensmittel, die den Gaumen regelrecht versauen. Macht den Test mit Euren Kids in der Blindverkostung: Selbstgerührter Fruchtquark gegen die „Fruchtgnom“-Variante aus dem schrill bunten Sechserpark mit extra viel Calcium. Wenigstens hat sich rumgesprochen, dass Kühe nicht lila sind.

Privatschule für die gute Nase

Dabei ist die Ausbildung unserer Nase und unseres Gaumens kinderleicht! Es ist Sommer, üppige Blütenpracht wohin das Auge sieht und es gibt unzählige Kräuter- und Obstsorten auf dem Markt. Die perfekte Zeit für ein Riechspiel, das auch die Großen vor eine Nasenherausforderung stellt! Und so funktioniert es: Bereitet kleine Schalen mit unterschiedlichen Obst- und Gemüsesorten, Kräutern und Gewürzen vor. Verbindet den Kindern die Augen und lasst sie drauflos schnuppern. Was meint Ihr, wie groß die Freude ist, wenn etwas richtig geraten wurde. Das Spiel ist natürlich unendlich erweiterbar – fordert den Geschmacksinn heraus und lasst die kleinen Ratemäuse verschiedene Dinge schmecken.

Macht euren Kräutergarten selbst: Anzuchtschalen aus dem Baumarkt

Das Schnupperhighlight ist, wenn die Kinder die Blumen und Kräuter, die sie verkosten, selbst gepflanzt haben. Zieht doch während der Frühlingszeit einfach gemeinsam mit den Kindern ein paar Kräutersamen. Auf diese Weise können die kleinen Gärtner zusehen, wie aus Samen essbare Pflanzen entstehen. Ihr eigener Kräutergarten! Auf diesem Weg erhöht sich die Trefferquote bei der Blindverkostung ernorm und der Schnupper-Spaßfaktor steigt ins unermessliche! Dass meine ‚Mamaaa,-ist-das-Petrasilie?‘ immer aussieht, als sei eine Horde Schafe darüber hergefallen, trage ich mit Fassung. Wenn’s schlau macht, verzichte ich gern auf gepflegte Blumentöpfe.

Ich habe Material in meinem keeeb-Board zum Thema Riechen und Schmecken gesammelt. Hier findet Ihr auch Videos, die ihr mit Euren Kindern gemeinsam ansehen könnt: http://keeeb.com/306/riechen_und_schmecken/

Weitere Links:

http://www.erziehungskunst.de/artikel/fruehe-kindheit/tasten-riechen-schmecken/
http://www.vis.bayern.de/ernaehrung/ernaehrung/ernaehrung_allgemein/genuss.htm