Sinas Welt

Von Hamburg bis ganz weit weg

Monitoring Camp Hamburg

Bar-Camp-Demokratie: Die Session-Vorstellungen. Jeder darf seine Session dem Publikum präsentieren, das Publikum entscheidet, welche Session gesetzt wird.

Monitoring ist…

‚Die Voraussetzung für die Beteiligung an Gesprächen – aufs Internet übertragen und aus Sicht des Kommunikationsmanagements also vor allem Voraussetzung für die Entwicklung und Umsetzung von Social-Media-Strategien‘.

Eine Aussage, die nicht nur Thomas Pleil im Handbuch der Online-PR* in den Focus rückt, sondern auch das Fazit, das ich aus dem Monitoring Camp mit nach Hause genommen habe. Nach knapp einer Woche Durchlaufzeit, habe ich die Monitoring-Profis, wie Stefan Everts (@hirnrinde), Christine Heller (@punktefrau) oder Tim Krischak (@t_krischak) zunächst ausreden lassen, um Ihre Beiträge in mein Resumee einfließen zu lassen. Dieser Post ist also auch ein Aggregat der Gedanken der anderen Teilnehmer. Alle Beiträge, Fotos, Charts und Präsentationen findet Ihr wie immer gesammelt in meinem keeeb-Board.

Das Monitoring Camp, das vom 9. bis zum 10. November in Hamburg stattfand, war meine erste Möglichkeit, einmal in den Geschmack eines Bar-Camps zu kommen. – Eine jener (Un-)Konferenzen der Netzgemeinde, die zum einen Klassentreffen und zum anderen Thinktank ist. Die Organisatoren Stefan Evertz (brandwatch), Stefanie Assmann (elbkind) und Silke Schipmann (Dialog Artists) haben alles gegeben, um das Event in der Netzwelt ordentlich nachklingen zu lassen. Als Newbe im Social Media Monitoring war es für mich ebenso aufregend wie unheimlich. Die bange Vorstellung, nur Bahnhof zu verstehen, hinterließ doch das mulmige Gefühl, dort nicht richtig zu sein. Das legte sich allerdings schnell,  als ich das ein oder andere vertraute Gesicht in der Runde der 160 Teilnehmer sah. Wie das von Malte Klauck, der während des Monitoring Camps tolle Fotos geschossen hat und die Atmosphäre hervorragend einfing. Es sollte eine wunderbare und lehrreiche Erfahrung werden.

Sina mittendrin. Malte Klauck hat wunderbare Fotos von dem Event geschossen.

Die lockere Einstimmungsrunde ließ alle Anspannung verfliegen. Ein lustiges ‚Hallo-erstmal-ich-bin-die-Sina-und-meine-Hashtags-sind: Hamburg, Startups und Social-Media‘ führte mich in den Kreis der Teilnehmern ein. Es wurde von jedem Einzelnen durchexerziert (!). Irrwitzig zu glauben, man könne sich alle Fakten merken. Dennoch verschmolzen bekannte Twitternamen mit den dazugehörigen Gesichtern. Die Hemmschwelle, jemanden anzusprechen sank schlagartig. Man kennt sich ja bereits über die sozialen Kanäle: ‚Ach, du bist @wurzelgnom2.0? Dich hab ich schon mal retweetet‘ ist dabei kein ungewöhnlicher Dialog und öffnet Herzen ;).

Die nachfolgende Session-Planung erfolgte demokratisch und unkompliziert. Camp-Teilnehmer mit einer Session-Idee begaben sich nach vorn und stellten diese dann vor. Das Publikum bekundete im besten Fall großes Interesse am jeweiligen Thema. Somit wurde es gewählt und an das Planungsfenster geklebt. Eine beeindruckende Erfahrung dabei: Es traten auch Teilnehmer mit akuten Fragestellungen nach vorne und baten andere Teilnehmer darum, eine Session darüber zu gestalten. So entstand auch die Veranstaltung der Monitoring Basics für die ganz Unbedarften. Die Spiele, äh, Sessions konnten also beginnen.

Rappelvoll in der Session zu KPIs aller Unternehmensabteilungen. Foto: Tim Krischak

Einige Veranstaltungen waren so voll, dass es Erinnerungen an Uni-Zeiten wachrief. Dicht aneinander gedrängt, saßen wir auf dem Fußboden und sinnierten über die Fragen des Social Media Monitoring. So auch in der für mich eindruckvollsten Session von Anja Beckmann und Markus Kucborski: KPIs in Unternehmen. Welche Abteilungen eines Unternehmens kommen mit Social Media in Kontakt und welche Kennzahlen sind dafür relevant? Die große Herausforderung war, die KPI (Key Performance Indicator- z.B. Interaktionsrate bei einem Tweet: wie viele Retweets gibt es dafür) für alle Abteilungen eines Unternehmens auseinander zu friemeln und der jeweiligen Interessenlage der Departments zuzuordnen.

Ein weiterer Knackpunkt der Session: Die Unterscheidung der KPIs von den Metriken. Ein schwieriges Unterfangen, was durch den hohen Prozentsatz an Monitoring-Fachleuten nicht leichter wurde. Julia Scharmann fand jedoch in Ihrem Post zum #moca12 ein schönes Beispiel, um es zu erläutern:

‚Beispielsweise könnte der allerwichtigste definierte KPI die Reichweite sein. Die Metrik Fanzahl kann also durchaus relevant für diesen KPI sein. Über das Verhältnis von Qualität und Quantität zu sprechen wiederum ist an dieser Stelle ein zu vernachlässigender Punkt, denn darüber sind sich alle einig: langfristig relevant sind Fans, die interagieren, die sich wirklich identifizieren und so zum positiven Markenbotschafter werden. Aber: man braucht eine kritische Masse um überhaupt wahrgenommen zu werden.‘

In meiner Slideshare findet Ihr meine Mitschrift der Session und auf webgewandt.de hat Karin Windt sie ebenfalls für die Nachwelt festgehalten.

Eines war mir nach der Session klar: Die Notwendigkeit der gemeinsamen strategischen Zielsetzung innerhalb der Social Media Planung. Abteilungen, die sonst eher selten interagieren, werden durch die sozialen Medien zwangsverheiratet. Sie haben zum Teil ähnliche Zielsetzungen, sind sich darüber allerdings in den wenigsten Fällen bewußt. Runde Tische zur abteilungsübergreifenden Social Media Planung sollten das Credo sein. Dem interaktiven Kunden sind Abteilungsgrenzen nämlich herzlich egal. Tim Krischak fand in seinem Blogpost folgendes Fazit, das ich sehr gern teile und ein AMEN dahinter setzen möchte:

‚In der Session wurde deutlich, dass Social Media-Kommunkation eine Querschnittfunktion und Werttreiber für verschiedene Abteilungen sein kann. Darin liegt zugleich die Herausforderung, dass Silo-Denken einzelner Abteilungen zu überwinden.‘

Die zwei Session-Tage boten 39 weitere informative Veranstaltungen. Darunter die von Rechtsanwalt und Lawblogger Thomas Schwenke. Er referierte über rechtlichen Stolperfallen im Netz im Zusammenhang mit dem heißen Thema Datenschutz. Im Fokus standen neben dem Facebook-Like-Button auch der Unterschied zwischen personenbezogenen und anonymen Daten. Zudem klärte Schwenke die Frage, wann Unternehmen andere Nutzer kontaktieren dürfen. In seiner Nachbereitung zum Monitoring Camp hat er seine Session-Präsentation zur Verfügung gestellt.

Die Veranstaltung Monitoring Basics entpuppte sich ebenfalls als gut besucht und durchaus nützlich. Wieder einmal stand Markus Kucborski an der Tafel, dieses Mal in Begleitung von Christian de Vries. Das Thema: Ganz einfach mal den Newbies erklären, was bestimmte Fachbegriffe bedeuten. Selbst für einige Pros war es kein leichtes Unterfangen, einen KPI so zu definieren, dass ein Neuling es versteht. In meiner Slideshare und auf der Website des Monitoring-Camp findet Ihr die Mitschrift: Das Monitoring Wörterbuch.

Bandwatch.de hat die Social Signals während des Camps ausgewertet: Twitter ist während des Battles fast geplatzt. Quelle: brandwatch.de

Der Monitoring-Tool-‚Battle‘ der acht kostenpflichtigen Tool Anbieter, darunter brandwatch, VICO, radian6 und talkwalker, war ein Highlight. Die Challenge lag darin, die systemeigenen Recherche-Ergebnisse zum Keyword ‚Movember‘ vorzustellen. Das Publikum hatte so die Möglichkeit, die jeweiligen Nutzeroberflächen zu betrachten. Die Anbieter boten uns ein kurzen Blick auf die Bandbreiten der Recherchemöglichkeiten mit ihren Tools. Karin Windt von webgewandt.de hat in ihrem Beitrag jedes einzelne dezidiert auseinander genommen und damit eine sehr nützliche Übersicht geschaffen. Während der ‚Battle‘ eher friedlich dahin plätscherte, liefen bei twitter die Server heiß. Das Publikum setzte laut Stefan Evertz während des Monitoring Battles ca. 3 Tweets pro Minute ab. Ich darf mich rühmen, unter den Top-Twitteress des Nachmittags gewesen zu sein 😉

Alle dabei: Meine keeeb Sammlung zum Monitoring Camp 2012.

Die Zwei Tage waren viel zu schnell vorbei und es hat einen riesen Spaß gemacht, einmal Teil eines Camps zu sein. Denn das ist es, was man dort erlebt. Man wird Teil eines gemeinsamen Lernens und Weiterdenkens. Mit dem Learning, dass Monitoring essentiel dafür ist, an Gesprächen in der Netzwelt teilhaben zu können. Wichtig, um mit potentiellen oder bestehenden Kunden in Dialog treten zu können. Ich danke dem Monitoring Camp Team und allen Teilnehmern für diese tolle Erfahrung. Denkt bitte dran, dass ihr im keeeb-Board alle weiteren Informationen findet!

 

*Handbuch Online-PR. Strategische Kommunikation in Internet und Social Web. Ansgar Zerfaß, Thomas Pleil (Hg.), erschienen 2012 im UVK.

 

 

 

 

 

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  1. Liebe Sina,
    danke für die informative Übersicht zum Monitoringcamp! #moca12
    Ich würde mich freuen, wenn Du meinen Namen noch anpasst, der kommt ohne ‚th‘ aus.
    Viele Grüße an die Waterkant aus Berlin,
    Karin

  2. Danke für den tollen Bericht, Sina. Ein gelungener Überblick.
    ‘Ach, du bist @wurzelgnom2.0? Dich hab ich schon mal retweetet’ <- großartig! 😀

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