Verschollene Manuskripte aus meiner Kindheit

Was einem nicht alles so in die Hände fällt, wenn man mal aufräumt. Mir sind heute Manuskripte entgegen geflattert, die ich schon fast vergessen habe. Geschichten, die ich im zarten Alter von 14 oder 15 geschrieben habe. In einer Lebensphase in der man normalerweise ausgeht und Spaß hat. Nun, ich hatte auch Spaß am Schreiben. So entstand auch das folgende Stück, dass ich für Euch transkribiert habe. Ich habe mein jüngeres Ich gefragt, was ich editieren darf und wir haben uns darauf geeinigt, dass ich die Lesefreundlichkeit etwas ‚verbessern‘ darf. Ich habe also ein weinig an der Interpunktion gefeilt und ein paar Textpassagen rausgeschmissen, damit es nicht zu langatmig wird. Ich hatte damals viel Zeit 😉 Trotz allem ist es der komplette Wortlaut der der Teenager-Sina. Den Lesern, die sagen, dass das Thema wenig teenyhaft ist, muss ich Recht geben. Dennoch ist es eine rein fiktive Geschichte und hat mit meinem eigenen Leben nichts zu tun. Ich kann nur vermuten, dass mich das Thema in der Zeit beschäftigt hat. Vermutlich weil ich über ähnliche Schicksale gelesen habe und diese schockierende Erfahrung in meinen Geschichten verarbeitet konnte. Nehmt Euch am besten ein bisschen Zeit zum Lesen.

Zwei Tage im Herbst

Stumm betrachtete Alex das Foto, auf dem eine junge Frau und ein Mann zu sehen waren. Beide scheinen allein auf der Welt zu sein, so glücklich sahen sie darauf aus. Sie tollten am Strand und die Abenddämmerung glitt über ihre Körper, die sich in der Sommerbrise zu drehen schienen. Alex träumte davon, mit Ihnen am Strand entlang zu laufen und mit ihnen herumzutollen. Doch dieser Gedanke würde wohl ewig ein Traum bleiben. Sie rollte sich auf de Bauch, um das Foto – die einzige Verbindung zu ihren Eltern – besser ansehen zu können. Die Frau auf dem Foto war nicht sehr gut zu erkennen, doch ihre Ähnlichkeit mit Alex war nicht zu übersehen. Heiße Tränen liefen über ihr Gesicht und sie schloss die Augen. Doch vergebens, immer mehr heiße Tränenflüsse strömte über Alex’ hübsches Gesicht und brannten an der Stelle, an der sich ihre Wange langsam bläulich färbte. Sie hatte sich von Jack eine eingefangen, als sie versehentlich zu dicht in seiner Nähe war und er zu viel intus hatte.

Jetzt schmerzte die Wange schon über drei Tage und die Schmerzen hörten einfach nicht auf. Alex vergrub ihr Gesicht in die Decke, die schon so viele Tränen hatte trocknen müssen und versuchte die puckernde Wange zu vergessen. Sie wollte weiter mit ihrer Mom und ihrem Dad am Strand liegen und die restlichen Sonnenstrahlen genießen, die der Tag noch für sie übrig hatte. „Wenn du noch was abkriegen willst, dann musste langsam kommen“, riss sie die plärrende Stimme von Louis aus den Träumen. Der verschwand aber schon wieder und überließ es Alex, sich irgendwie in den Dreckstall zu hieven, den hier alle Küche nannten.

„Willste viel Kartoffelbrei? Sonst kriegen die Bälger den Rest“, dröhnte ihr die raumausfüllende Stimme von Nell entgegen, die genau zu ihrer ganzen Erscheinung passte. Raumausfüllend. Mit der Kartoffelbreifrage schwebten Alex noch ein paar andere Gerüche entgegen, die sie darauf schließen ließ, dass Nell an diesem Tag nicht nur Milch getrunken hatte. „Was is’nu? Wenn du Hunger hast, musste dich hinsetzen!“. Mit diesen Worten ließ Nell einen Klumpen Brei auf Alex’ Teller plumpsen. Der wirkte dort so kümmerlich, dass Nell die Bratpfanne vom Herd nahm und eine kleine schrumpelige Bratwurst mitten auf den kläglichen Haufen Kartoffelbrei platzierte. Zufrieden musterte sie ihr Kunstwerk und verpasste gleichzeitig Harold eine, der gerade seinen kleinen Bruder mit Brei beschmiss. Normalerweise saßen acht Personen am Tisch, doch heute war Jack nicht da. Er saß am Kopf des Tisches, so, wie es sich für einen richtigen Familienvater gehörte.

Alex setzte sich neben Lily. Sie war die Einzige, mit der sie sich aussprechen konnte. Sie war die älteste Tochter der Brynies. „Hey, hast du großen Hunger, Alex?“ Lily schaute sie freundlich an. Plötzlich veränderte sich der fröhliche Ausdruck in ihren – sonst zu jeder Situation leuchtenden –Augen. Sie bemerkte, dass Alex völlig verheult war. Lily war die einzige Person in dieser Familie, die eine solche Situation abschätzen konnte und auch wusste, wie sie damit umzugehen hatte. Alex fragte sich oft, ob Lily wohl ein Fehltritt gewesen war. Dass sie nicht adoptiert worden ist, erkannte man an der Ähnlichkeit mit Nell: Die feuerroten Locken, die blauen Augen. Alles in allem war Lily die jüngere und viel hübschere Ausgabe ihrer Mutter. Es war wie mit der Milch: Je länger sie steht, desto saurer wird sie. „ Haste wohl wieder von zu Hause geträumt, was?“ Gerade als sie das sagte, wurde die Tür aufgestoßen und Jack kam herein.

Geister

Dieser Auftritt war ein Fehler. Das merkte er sehr bald, denn nach wenigen Sekunden wurde er von sämtlichen Brynie-Kindern umringt und auf der Suche nach Süßigkeiten fast ausgezogen. Mit einem genervten Gesichtsausdruck drängelte er sich durch die Kindermasse. „Nell! Kannst du nicht mal Ruhe hier reinbringen? Das ist ja kaum noch auszuhalten!“ Mit angestrengter Miene ließ Jack sich auf den Stuhl plumpsen. „Ich sag’ es dir, es ist so was von beschissen, einen Job zu kriegen! Und dann diese Esel im Arbeitsamt!“ Nell war schon aufgestanden, um ihrem armen schwer arbeitenden Mann mit Kartoffelbrei und Bratwurst zu versorgen. Doch dann schien es ihr wohl zu dämmern, dass er wieder nur diese Mitleidstour abzog, um wenigstens zu Hause als Mann respektiert und bedient zu werden. Darum ließ sie sich gleich wieder auf den Sessel zurückgleiten.

Alex war die ganze Zeit still gewesen, doch jetzt musste sie einfach was zu diesem Saukerl sagen, der sich Familienvater nannte und zu faul war, seine Familie zu ernähren. „Kein Wunder dass du keine Arbeit kriegst, wenn du den ganzen Vormittag im Pub hängst. Ich wette du weißt noch nicht einmal, wie ein Arbeitsamt von innen aussieht, geschweigen denn, wo eines ist!“ Für ein paar Sekunden wusste Jack nicht, was er sagen sollte und die nutze Alex, um sich vor seiner Faust – die bei ihm Gehirn und Verstand ersetzte – in Sicherheit zu bringen. Ihre Wange schmerzte immer noch wie verrückt. Sie ging aus der Küche, weil sie wußte dass er ihr nicht hinterherkommen würde. Er war viel zu faul zum Aufstehen. „Dieses Gör! Was bildet die sich ein, mich so zu beschuldigen? Warte nur ab, kleines Mädchen, eines schönen Tages bringe ich dich persönlich zurück!“ Jack schrie in heller Aufregung. Dass jemand es wagte, sich ihm zu wiedesetzen!

Jack drohte immer wieder damit , Alex zurück ins Kinderheim zu bringen. Doch bis zu diesem Tage hat er es nicht gemacht. Sie war einfach zu wertvoll für den Haushalt und noch für andere Dinge. Alex schmiss die Tür hinter sich zu, darum erreichten sie die Dinge nicht mehr, die unaufhörlich aus Jacks Mund sprudelten. Sie hörte sie nur gedämpft, so als ob Nell das Sitzkissen ihres Stuhls in seinen Mund gestopft hätte, um endlich Ruhe zu kriegen. Lily war auch aus der Küche geflohen, um sich nicht auch noch eine einzufangen. Sie lief hinter Alex her. Als sie sie erreichte, legte sie ihre zarte Hand sanft auf Alex rücken, so als ob sie sagen wollte: Gut gemacht! Jetzt hat es endlich mal jemand diesem Scheißkerl gegeben. Aber sie sagte nichts weiter und bog nach links ab, um nach der Wäsche zu sehen, die sich noch in einer ziemlich abgekämpft aussehenden Waschmaschine drehte. Alex machte sich oft Gedanken um die zwei Jahre jüngere Lily. Sie war erst 14 aber doch schon so gescheit, dass Alex immer Angst hatte, dass ihr inneres Wesen durch diese Umgebung völlig zerstört werden könnte. Sie machte auf Alex einen so zarten Eindruck, wie die Glasfiguren ihrer Großmutter, die sie nicht anfassen durfte, weil sie zu zerbrechlich waren.

Sie betrat ihr Zimmer, das sie allein bewohnte. Alex wusste schon, warum Jack es so eingerichtet hatte, als sie hier hergebracht wurde. Ihr Magen knurrte. Sie hatte nichts gegessen, da Jack dazwischen gekommen war. Galant schwang sie sich aufs Bett und griff mit der Hand darunter. Sei musste sich ein bisschen vorbeugen, um an das zu kommen, worauf sie gerade Hunger hatte. Sie zauberte einen schönen roten Apfel hervor, legte sich mit dem Rücken zur Wand und biss genüsslich hinein. Alex hatte sich schon vor geraumer zeit dort einen Vorrat angelegt, den sie alle zwei Tage erneuern musste, weil es alle zwei Tage vorkam, dass sie nicht in der Küche aß, sondern im Bett.

Alex hielt sich nicht für besonders hübsch und beneidete Lily um ihre schönen großen blauen Augen, die wie Sterne funkelten, wenn sie lachte. Doch sie war alles andere als hässlich. Sie hatte wilde schwarze Locken. Wie Wasserfälle flossen sie an ihrem Kopf herunter. Locken, die sich nur schwer bändigen ließen, so wie ihre Trägerin. Dass sie sich für hässlich hielt, lag wohl eher an der Umgebung, denn die war wirklich alles andere als schön: Die schmuddelige Küche mit den schmuddeligen Kindern, die ganze Erscheinung der Brynie-Familie war schmuddelig. Bis auf Lily, die überhaupt nicht dorthin passte. Alex merkte, dass sie den Apfelrest immer noch zwischen den Fingern hielt, wie einen zusammengequetschten Wurm. Es ist spät geworden und der Blick auf die Uhr sagte, dass es wohl zu spät war, um noch etwas für die Schule zu tun. Also riskierte sie barfüßig einen Blick in die Küche, um den Müll zu entsorgen, in der Hoffnung, nicht auf Jack zu treffen.

Ein neuer Tag

Ein neuer Tag

Der nächste Tag schien verheißungsvoll zu werden. Die Sonne strahlte an einem enorm blauen Himmel. Enorm deshalb, weil in den letzten drei Wochen so graue Wolken am Himmel hingen, dass man Angst haben musste, sie würden sich augenblicklich auf die Bevölkerung Londons herabstürzen. Auf der Straße vor dem Brynie-Haus spielte die darin wohnende Bagage mit anderen schmuddeligen Bälgern, die aus dem ähnlich versifften Haus auf der anderen Straßenseite stammten. Ein Sproß aus diesem Haus hatte sich gerade mit einem Brynie-Kind verkeilt. Sie drehten sich fortwährend im Kreis, so als ob einer den anderen mit Hilfe der Zentrifugalkraft durch die Luft schleudern wollte. Einer biss zu und der andere jaulte mit schmerzverzerrtem Gesicht auf, dass es durch Mark und Bein ging.

Dieser Schrei riss Alex aus ihrem kostbaren Schlaf. Langsam nahmen die Gegenstände ihre klare Form wieder an. Alex sah Lily, die mitten in ihrem Zimmer stand und sie mit traurigen Augen ansah. „Was ist los?“ wollte Alex wissen. Lily drehte sich um und eilte aus dem Zimmer. Alex hörte ihre Knochen knirschen, als sie im Bett aufsetzte. Was war bloß mit ihr los? Die allmorgendliche Alex-aufweck-Zeremonie sah sonst immer etwas anders aus. Lily kam ins Zimmer und schleppte meistens ein kleineres Mitglied der Familie mit. Zwei können immer mehr Geschrei verursachen als nur eine Person. Um Alex aus den Federn zu kriegen, benötigte es nämlich mehr als nur einen persönlichen Weckdienst, den meistens Lily in Auftrag bekam. Mit fettverschmierten Topfdeckeln und Kochlöffeln, an denn den noch die gesamte Speisekarte vom vorherigen Tag klebte, machten sich Lily und ein kleinerer Bruder auf, um das Murmeltier aus seinem Bau zu scheuchen. Meistens suchte sich Lily den größten Schreihals aus, der den Zweck bestens erfüllte.

Langsam taumelte sie aus dem Bett und suchte ihre Sachen zusammen, die verstreut auf dem Fußboden lagen. Sie zog sich an und begab sich mit knurrenden Magen in den Raum, in dem eigentlich in jeder normalen Familie ein gemeinsames Frühstück eingenommen wurde. Nur nicht in diesem Haus. Die Küche war wie immer ein einziges Schlachtfeld, auf dem feindliche Geschwisterbattallione ihre Kämpfe austrugen. Mit Hilfe von Cornflakes und Zuckerhagel wurde die schwächere Partei vom Platz gefegt.

Als Alex die knarrende Küchentür aufschob, hinter der ein Berg dreckiger Wäsche lag, sah sie Lily am Tisch sitzen. Gebeugt über ihren Teller, schaute sie dort auf ihre Eier, die so kümmerlich aussahen, als ob sie Angst hätten, gleich verschlungen zu werden. Lilys Körper schien sanft zu vibrierte, so als weine sie. Alex wollte sich zu ihr an den Tisch setzen, doch sie verfing sich in einem Handtuch, das eigentlich zum Wäschehaufen hinter der Tür gehörte. Sie suchte Halt am Küchenbord – das nie aufgeräumt war – und riss sämtliche Messer und Gabeln zu Boden. Erschrocken und verängstigt blickte Lily auf und dann zum Boden, wo das Besteck lag. „ Diese Küche ist eine Falle“, gab Alex mit einem entschuldigen Lächeln zu verstehen. Doch Lily erwiderte ihr Lächeln nicht, sondern machte sich gleich daran, alles wieder zurück an seinen Platz zu legen. Das heißt zurück auf das Küchenbord. Etwas anderes hätte ihre Erziehung nicht erlaubt. „Lily, hast du Kummer?“ Alex sah sie besorgt an. Doch als sie versuchte in die sonst so strahlenden Augen zu blicken, wich Lily aus und wechselte das Thema: „Hast du gut geschlafen? Ma hat gesagt, du sollst dich beeilen, sonst kommst du wieder zurück in die Schule.“ Auf die Frage wo die Köchin der wabbeligen Eier sei, bekam Alex keine Antwort mehr. Lily war schon mit gesenktem Kopf aus der Küche geflohen.

Die Glocke läutete schon, als sie das hässliche Gebäude betrat, das alle ‚Schule’ nannten. Alex nannte es ganz schlicht und einfach ‚Der Koloss’. Er verschluckte alle Schüler, die blind und dumm, sich Tag für Tag freiwillig zu Opfern machten. In seinem Bauch wurden sie so erzogen, wie es für den Koloss am besten war und auch für die anderen Kolosse, die noch verstreut in der Gegend herumstanden . Wenn es dann zum Ende des Schultages läutete, spuckte er sie wieder aus, und sie gingen nach Hause, um sich auf die nächste Opferung vorzubereiten .

„Aha, Alexandra, ich freue mich, dass du es auch noch geschafft hast, hier aufzutauchen, um uns die Ehre zu geben, mit uns zu lernen“, tönte es ihr entgegen, als sie die Klasse betrat. „Arschloch“, dachte Alex und suchte sich einen freien Platz, auf den sie sich für den Rest der Stunde hinsetzen konnte und nicht im Blickfeld des Lehrers saß. Der erklärte gerade wild gestikulierend das Ende des 3. Reiches. „Und wer weiss, wo die Alliierten gelandet sind?“ „Auf ’ner Landebahn“, tönte es aus einer Ecke. Prustendes Gelächter. „Ihre Kommentare werden von Tag zu Tag präziser Mr. Miller, nur leider gab es im Kanal keine Landebahn“.  Wieder Gelächter, doch diesmal zu Gunsten des Lehrers. „Alexandra, was meinst du, kannst du dazu noch etwas beitragen?“ Warum er sie immer Alexandra nannte, wusste Alex auch nicht, sogar in ihrer Schulakte stand ihr Name: Alex Brynie. „Wenn sie aufhören, mich Alexandra zu nennen, sage ich ihnen auch, dass die Alliierten 1945 den Deutschen einen Strich durch die Rechnung machten, als sie den letzten KZ- Häftlingen das Leben retteten, nachdem schon Hunderttausende hingerichtet worden waren.“ Wieder hatte ihr Vorfahreninstikt gesiegt und sie musste sich dem Lehrer beugen, in dem sie ihm die erwarteten Informationen zukommen ließ. „Ich werde es mir merken, das mit deinem Namen, meine ich.“ Er machte weiter mit seinem Stoff, den er, wie alle anderen Lehrer so schnell wie möglich durchbringen wollte, ohne Rücksicht auf Verluste.

Als Alex vor dem großen grauen Gebäude stand und ihre Nase in den Himmel reckte, fielen winzige Regentropfen auf ihr Gesicht. Der war bleiern grau. Wolken verdeckten den am Morgen noch so schönen Himmel. So wie sie schon die letzten Wochen sämtliche Hoffnungen auf Sonne einfach verdeckten. Seltsam, wie sich von einer Minute auf die andere alles verändern kann. Alex überkam die Lust auf Nahrung. Sie riss sich aus sämtlichen Grübeleien über Lebensphilosophie heraus und marschierte in Richtung Bushaltestelle.

Im Bus war es stickig. Es war nur noch ein Platz frei auf den sie sich setzen konnte. Alex hatte die Auswahl zwischen einem Stehplatz und ihrer Ruhe oder sich neben diesen total schrägen Typen zu setzen, der reichlich zugekifft aussah. Sie entschied sich für die zweite Möglichkeit. Sein Kopf drehte sich in ihre Richtung, starrte auf ihre Haare und öffnete den Mund, als ob er sich übergeben müsste. Schloss ihn aber wieder. „Hast du mal eine Aspirin?“ stöhnte er und legte seine Hand wehleidig auf seine Stirn. „Wenn du so eine Scheiße rauchst, dann musst du dein Kotze allein aufwischen.“ Alex versuchte den Kerl neben sich weiter zu ignorieren, doch es gelang ihr nicht, weil er nicht aufgab. „Ich habe nichts geraucht, ich vertrage nur kein Busfahren.“ Oh, war das peinlich. Solch eine Wendung der Situation hatte sie jetzt nicht erwartet. „Tut mir leid! Du siehst aber wirklich nicht besonders gesund aus“, verteidigte sie sich. Wir hätte sie denn ahnen sollen, dass er nicht breit, sondern nur reisekrank war. „Ich bin Eric.“ Stellte er sich mit soviel Lächeln vor, wie sein Magen erlaubte.

Gesellschaft

Dieser Eric sah trotz seines weißen Gesichts gar nicht so übel aus, entdeckte Alex. Sie betrachtete ihn etwas genauer, während er sich richtig vorstellte. „Meine Alten haben sich so ein riesiges Haus in Kennsington zugelegt, das du darin verloren gehen kannst!“ Seine Miene deutete darauf hin, dass er davon gar nicht begeistert war. „Soll ich dir was sagen? Ich hasse dieses Haus, genauso wie ich es hasse, jeden Tag dort eingesperrt zu sein. Schön brav mein Leben mit der Vorbereitung meiner Zukunft dort zu vertun!“ Er hat gar nicht bemerkt, dass Alex ihm die ganze Zeit gespannt zugehört hat. Irgendwie fand sie ihn sympathisch, wie er mit einen Händen durch die Luft wirbelte und vorn seinem Idealen Leben träumte: „Einfach mal aussteigen und die kleinen schönen Dinge, die das Leben ausmachen, in vollen Zügen genießen. Viele haben doch überhaupt keine Perspektive und bringen sich schon vor ihrem ersten Job um, weil sie Angst haben, gefeuert zu werden.“ „Was meinst du wohl, wie viele schon versucht haben, einfach aus dem alltäglichen Leben auszusteigen, doch sie sind alle wieder zurück zu ihrem Luxus gekommen, die sie die ganze Zeit so sehnlich vermisst haben. Allein schon, wenn du die Glotze einschaltest, bist du von der Gesellschaft vereinnahmt!“

Eric sah sie an, als hätte er die ganze Zeit mit einer Puppe gesprochen und die hatte gerade ihre Augen geöffnet und ihm ihre Meinung über das Leben vor die Füße geschmissen. Soll er doch sehen, wie er damit zurechtkommt. „ Du kannst sprechen“, sagte sein Blick. Alex konnte ihn doch nicht so stehen lassen, die Kaulade heruntergeklappt… „ Mein Gott, meinst du denn, dass das Leben viel besser ist, wenn du irgendwo in einem Bauwagen hockst und dir die Eier abfrierst, weil eine Heizung dich zwingen würde, die Gesellschaft zu akzeptieren?“ Er hatte Zeit zum Nachdenken und schlug nun eiskalt zurück: „ Hast du es denn schon mal versucht? Ich meine, du siehst ja auch nicht gerade so aus, also ob du das Superlos gezogen hättest. Wenn man mal sieht, in welchem Stadtteil wir hier gerade herumfahren!“ „ Eingebildeter Schnösel“, dachte Alex, wagte aber nicht, es auszusprechen. „Ich muss hier raus!“ Alex stand auf, ohne sich noch einmal umzudrehen. Anscheinend bemerkte er, dass er irgendetwas Blödes gesagt hatte und schrie Alex hinterher, so dass sich alle zum ihm umdrehten: „Wenn du reden möchtest, ich bin bis 6 Uhr im Moon in der Wellingtonstreet!“.

Zum Mond und zurück

„Verdammt!“ Alex sah auf ihre Uhr. Es war kurz vor sechs. Sie hatte Eric verstanden, als er ihr im Bus nachrief. Doch tief in ihrem Innern wollte sie nicht nachgeben und zu diesem Idioten rennen, der so eine bescheuerte Idee hatte, wie Aussteigen. Alex saß auf ihrem Bett und starrte auf den Zeiger ihrer Uhr, der sich Sekunde um Sekunde weiterschob. Wie vom Blitz getroffen, sprang sie auf und suchte ihre Bürste unter einem Haufen von Wäsche und anderen Utensilien hervor. Sie versuchte ihre Locken zu bändigen, was sich als ein schwieriges Unterfangen herausstellte. Die Jacke in der Hand und Apfel im Mund, stürzte sei aus dem Zimmer und kümmerte sich nicht um die anderen. „Hey, wo willste denn noch hin?“ die Frage ging im Knall der Wohnungstür unter. Verwirrt stand Nell im Flur. Dieses Mädchen war für sie ein Rätsel.

Alex ist den ganzen Weg gelaufen, weil der nächste Bus erst später gefahren wäre. Sonderlich viel Zeit hatte sie also nicht, um sich eine gute Ausrede einfallen zu lassen, damit Eric nicht denken würde, sie sei nur seinetwegen hier. Als sie die Schwingtür öffnete, stieß ihr eine Rauchwolke entgegen, die wirklich alle Zigarettentypen enthielt. Alex sah sich um und bekam allmählich Pani, weil sie nirgends diesen käsigen Typen sah, der ihr im Bus seine Lebensweisheiten vorgetragen hatte.

„Hey, schöne Frau, wohin des Weges?“ Alex fuhr herum, um zu verhindern, dass ihr dieser schmierige Kerl, der sich gerade angemacht hatte, an den Hinter geht. Sie sah Eric direkt in die Augen. Sein Gesicht hatte seine normale Farbe wieder angenommen und ein umwerfendes Lächeln umspielte seine Lippen. „Mach sowas nicht noch mal, ich hätte fast auf dich eingeprügelt. Soetwas kann ich überhaupt nicht leiden!“ „Tut mir leid! Ehrlich. Und wenn du jetzt wieder lächelst, lade ich dich zu einem Getränk deiner Wahl ein.“ Eric vergewisserte sich noch einmal, ob sie auch wirklich lächelte und verschwand in Richtung Theke, die wie eine Raumbasis aussah. Die ganze Aufmachung in diesem Café erinnerte an ein Raumschiff. Die Tische waren aus schwarzem Metall und ihre Füße sahen aus, wie die Füße eines Ufos. Kleine grüne Hände standen auf ihnen und bettelten nach Asche. Es sah so aus, als ob sich der Rest des Außerirdischen unter dem Tisch verbarg, um schnell mit der gewonnenen Asche zum nächsten Mülleimer zu  rennen.

„Warst du schon mal hier?“ fragte Eric, der gerade die Getränke vor ihnen auf den Ufostisch stellte. „Nein.“ Alex drehte sich um, um die Menschen zu beobachten, die ein und ausgingen. „Ich wusste dass du kommst“, sagte er und ein breites Lächeln zog sich über sein Gesicht. Alex drehte sich ruckartig um. „Du denkst wohl, du bist unwiderstehlich, was? Meinst du denn, ich bin nur hier, weil ich mich in dich verknallt habe, als du im Bus fast auf meine Füße gekotzt hättest und aussahst, als ob du lange nicht mehr in der Sonne warst?“ Sie wurde sauer aber Eric schien das nicht zu beeindrucken, er rutschte etwas näher. „Warum bist du nur so verbittert? Du hast so ein hübsches Gesicht, doch es wird immer von einem Zorn verdunkelt.“ Es klang schon fast vorwurfsvoll, als er das sagte und Alex dabei tief in die Augen sah. „ Warum bist du denn so scharf darauf, meine Seele zu lüften? Hast du nichts Besseres zu tun?“ Die tiefen Falten auf ihrer Stirn verschwanden. Das nahm Eric als Einwilligung und begann sie auszufragen. Wo sie wohne, ob sie klarkomme.

Natürlich kommt sie klar, was für eine blöde Frage! Sie ist ihr ganzes Leben klar gekommen und keine hat danach gefragt. Warum sollte es jetzt einer wissen sollen? Doch Eric schien wirklich an ihrer Lebensgeschichte interessiert. „Was machen deine Eltern? Sind sie geschieden oder sowas?“ „Du bist ganz schön neugierig“, entgegnete Alex auf seinen Haufen Fragen, den er wie dreckige Wäsche über ihr auskippte. „Ich habe dir nachgerufen, weil ich noch nie solche ein hübsches und intelligentes Mädchen getroffen habe, wie dich.“ Diese Geständnis verschlug Alex die Sprache. Vielleicht war er ein Macho aber mutig war er auf jeden Fall. „Warum sagst du das zu mir?“ Etwas Besseres ist Alex einfach nicht eingefallen. „Weil ich sehen wollte, wie du lächelst!“

Alex knöpfte ihre Jackentasche auf und legte das Bild ihrer Eltern auf den Tisch. „ Ich werde Dir jetzt eine kleine Geschichte erzählen.“ Sie machte eine Pause, hob ihr Glas an, stellte es wieder hin und begann zu erzählen: „ Als ich fünf war, haben mich meine Eltern bei meiner Großmutter abgesetzt, um einen Ausflug zu machen. Ich wusste nicht, warum sie mich nicht mitnahmen, warum sie nicht wieder kamen. Wahrscheinlich sind sie tot. Weil meine Oma angeblich zu alt war, steckte mich das Jugendamt in ein Jugendheim von wo aus ich nach und nach zu acht Familien gebracht wurde. Doch sie hatten schließlich alle keine Lust mehr gehabt, sich um mich zu kümmern. Vielleicht lags an mir?“ Alex blickte nach oben, um den Tränen Einhalt zu gebieten. „ Sei erzählten mir noch nicht einmal, dass meine Oma gestorben war!“  Alex überlegte, ob sie Eric alles erzählen sollte. Er saß da, hielt den Atem an, hörte ihrem Leid zu, das sie jahrelang mit sich herumtrug und jetzt hatte sie die Chance, alles rauszulassen.

„Die letzte Familie hat mich tatsächlich behalten. Doch die Sache hatte einen Haken und der hieß Jack. Er ist das Familienoberhaupt, wie er sich gern nennt. Als er eines Abends in mein Zimmer kam, als alles ruhig war, wurde mir klar, warum sie mich noch nicht weggeben hatten. Ich konnte mich nicht rühren, keiner hat mich gehört, wie dalag und weinte“, Alex schluckte, die Tränen liefen ihr über das Gesicht, über die wunde Stelle und brannte wie Feuer. Sei wusste nicht, was mehr weh tat, ihre Seele oder ihre Wange. Eric nahm sie in den Arm und sprach leise und tröstend: „Es tut mir so leid, ich wollte nicht, dass du solche Qualen durchmachen musst, nur weil ich so neugierig bin.“ Er küsste sie sanft auf die Stirn und wischte ihre Tränen vorsichtig ab. Alex ließ sie einfach fließen, hielt sie nicht auf, sie lag einfach nur da, in Erics Armen, bewegte sich sanft vor und zurück und hörte sein Herz schlagen.

Die Barrieren waren gebrochen und beiseite geschoben. Alex hatte sich verliebt. Es war mittlerweile 10 Uhr und Eric brachte sie nach Hause. Zum Abschied küsste er sie ganz sanft auf ihre zitternden Lippen. Der erste Kuss! Dieses Gefühl spülte all den Kummer weg. Sie umarmte Eric so fest, dass er sie ja nicht vergisst.  „Wir sehen uns. Ich weiß ja jetzt, wo du wohnst!“ Damit drehte er sich um und ging in Richtung Bushaltestelle.

Alles wird anders

Alex versuchte, so leise wie möglich zu sein, um nicht alle aufzuwecken. Das würde nur lästige Fragen zur Folge haben. Sie hätte zudem wieder vor Jack fliehen müssen, der bestimmt wieder besoffen war, dass er ihr Zimmer mit seinem Schlafzimmer verwechseln würde. Also schlich sie auf Zehenspitzen durch den Flur. Als sie sah, dass die Tür zu Lilys Zimmer angelehnt war und noch Licht durch die Ritze drang, beschloss sie, noch ein wenig mit Lily zu plaudern. Die Sache mit Eric würde sie ganz sicher auch interessieren. Das Licht im Raum war gedämpft und Alex konnte nur Umrisse erkennen. Alex drückte die Tür vorsichtig einen Spalt weiter auf, um Lily nicht zu wecken, falls sie beim Lesen eingeschlafen war. Doch was sie sah, verschlug ihr die Sprache. Jack war gerade dabei, irgendetwas zu machen, was Alex nicht richtig sah und auch nicht sehen wollte. Sie musste es selbst oft genug über sich ergehen lassen. Der Schock war so groß, dass Alex eine Weile einfach nur dastand und nicht reagieren konnte.

Doch dann erwachte sie und rannte ohne nachzudenken in die Küche. In Panik griff sie nach dem ersten Gegenstand, der auf der Spüle lag und rannte zurück. Als sie merkte, was sie in der Hand hielt, war es schon zu spät.  Ohne jede Vorstellung, wie sie Jack hätte vertreiben sollen, hatte sie nach dem großen Küchenmesser gegriffen. Ihr Gesicht spiegelte sich in der verschmierten Klinge. Als sie sah, dass Jack, mit dem Rücken zu ihr gewand, Lily ins Gesicht schlug, weil sie laut wimmerte, stach Alex zu. Einmal. Ein zweites Mal und dann ein drittes Mal, bis Jack gekrümmt zu Boden sank. Sie hatte eine Art Schrei ausgestoßen, als sie mit ihrer ganzen Wucht zustach, dass Nell aufwachte. Sie schlufte langsam durch den Flur, um nachzusehen, wo ihr Mann geblieben war. Lily war vom Bett aufgestanden und half Alex, den schlaffen Körper hinter die Tür zu ziehen. Im selben Moment betrat Nell das Zimmer. Ihr fragender Blick zeigte, dass sie nichts mitbekommen hatte. Als Lily ihr versichterte, dass alles in Ordnung sei und sie wohl nur schlecht geträumt habe, schlufte sie wieder in ihr Zimmer.

Alex hatte hinter der Tür den Atem angehalten. Als nichts mehr zu hören war, stieg über Jack und rannte in Lilys Arme. Sie hielt sie so fest, dass Alex fast die Luft wegblieb. Lily hatte sich mit ihrem Schweigen mit im Kampf gegen dieses Monster mit ihr verbunden. Das Monster lag regungslos auf dem Fußboden und gab außer viel Blut nichts weiter von sich. Alex hatte einfach auf ihn eingestochen, ohne hinzusehen. Sie hatte sich einfach von ihrer Wut und ihrem Schmerz leiten lassen.

Was ist böse?

Lily gab ihm unsanft einen Tritt in die Seite. „Ich glaube, der ist hin.“ Alex Finger zitterterten, doch Lily war ganz kühl. Sie zeigte keine Anzeichen von Angst oder Reue, obwohl soeben ihr Vater vor ihren Augen niedergemetzelt worden war. „ Wir müssen sehen, wie wir die Leiche wegschaffen. Er kann ja schlecht hier liegenbleiben.“ Sie schüttelte Alex Arm und das Messer fiel zu Boden. In der Klinge konnte man sich jetzt nicht mehr spiegeln, sie war blutverschmiert. Es tropfte auf den Boden und vermischte sich mit dem Blut, welches unaufhörlich aus Jacks Körper floss. „ Ich fühle mich so frei, als ob alle meine Sorgen weggewischt worden sind. Ich habe gerade einen Menschen getötet, Lily! Ich bin eine Mörderin!“ Alex fing an zu schluchzen aber Lily konnte sie jetzt nicht trösten. „Was dieser Kerl dir angetan hat, ist schlimmer als der Tod. Du musst dein ganzes Leben damit zurecht kommen! Komm fass’ seine Füße an und dann heben wir ihn hoch!“ Lily machte es der verstörten Alex vor, indem sie Jack unter die Arme griff und seinen Oberkörper hoch hievte. Sie ließ ihn aber wieder fallen, als sie merkte, dass Alex nicht reagierte. Sie stand immer noch da und starrte die Leiche an. „Woher weißt du…?“ „Alex, begreif doch, er hat es verdient!“ Lily schüttelte Alex, bis diese klarer wurde. In diesem Moment fragte sie sich, ob Lilys Augen jemals wieder so wundervoll leuchten werden.

Da kam ihr eine Idee. „Weiß du was wir bringen ihn nicht weg. Wozu die Mühe machen? Die Bullen finden ihn so oder so, egal ob er nun in der Themse schwimmt oder hier auf dem Fußboden vor sich hinblutet. Wenn er irgendwo anders liegt, werden sie herkommen, das Haus auf den Kopf stellen und rauskriegen, dass er hier ermordet wurde. Das ist viel zu riskant. Wir lassen ihn hier liegen und rufen die Bullen, sagen dass es Notwehr war. Wir erzählen einfach, dass ich ihn mit einem Messer verscheuchen wollte, weil er dich angefasst hat. Dann hat er mich angegriffen und ich hab…zugestochen.“ Lily lächelte, als sie merkte, dass Alex wieder bei vollem Bewußtsein war. Sie durchdachte den Plan gründlich. „ Du glaubst doch nicht, dass die Bullen so blöd sind und das fressen?“ Sie schüttelt den Kopf und ihre roten Locken wirbelten umher. „Wir müssen es versuchen!“ verteidigte sich Alex. „Wir sitzen hier auf einem verdammten Pulverfass! Wenn Nell noch mal reinkommt, dann ist es endgültig vorbei.“ Beide standen ratlos im Raum. Plötzlich legt Alex ihren Finger auf die Lippen und deutet Lily, dass sie ruhig sein sollte. Draußen auf dem Flur war ein leises Klopfen zu hören. Alex stürmte zur Wohnungstür, während Lily den schlaffen Körper angeekelt hinter die Tür zog.

Als Alex die Tür öffnete, stand Eric davor. Er trug eine großen Rucksack auf dem Rücken. „Ich wollte Dich holen und mit dir weggehen“, war das Einzige, was er sagen konnte bis Alex ihn in die Wohnung zog und ihm deutete, still zu sein und ihr zu folgen. In Lilys Zimmer angekommen, stutze sie, weil die Leiche nicht mehr da war. „Wo ist er?“ Eric war jetzt vollkommen verwirrt. „Was ist hier los?“ Lily schloss die Tür und zum Vorschein kam Jack. Eric hätte sich fast übergeben, als er den blutverschmierten Toten erblickte. Der ganze Fußboden sah aus, als ob sie ihn mit Jack wischen wollten. „ Wir sind schon eine Weile dabei zu spekulieren, was wir jetzt machen sollen. Lily will ihn in die Thames werfen und ich will Notwehr vortäuschen.“ Eric hatte sich wieder gefangen und blickte vorwurfsvoll zu den Mädchen, die ratlos rumstanden. „Seid ihr verrückt? Wisst ihr nicht, dass ihr hier mit einem Toten rumspielt?“ „Wir spielen nicht, wir denken nach“, verteidigte sich Alex. Sie erzählte im die ganze Geschichte und Eric verstand.

„Holt Eure Papier und packt ein paar Sachen ein. Wir hauen ab. Es ist zwar schrecklich aber besser als der Notwehrplan, den so oder so keiner geglaubt hätte“. Sie packten und verließen schweigend das Haus in Richtung Bahnhof.

Am nächsten Abend fand Nell zufällig die Leiche ihres Ehegatten, der in den Schrank ihrer ältesten Tochter gezerrt worden war. Sie hatte ihn nicht vermisst. In der Morgenausgabe der Times stand:

„Mädchen aus East-End Wohnung entführt -Vater musste sterben, als er zu Hilfe eilte!