Sinas Welt

Von Hamburg bis ganz weit weg

Webfuture Award 2013

Ali Jelveh von Protonet im Speeddating mit einem Jurymitglied
(Bild: Hamburg@work/ Claudia Hettwer)

Es passiert nicht alle Tage, dass der Coworking-Space und Gründerhort betahaus Hamburg, aus allen Nähten platzt. Am 28. Februar ist das anders. Alles ist an diesem Event-Tag scheint anders zu sein. Geschätzte 110 Menschen aus der Hamburger Gründer-, IT- und Medienszene drängen sich im betahaus, um den diesjährigen Gewinner des Webfuture Awards 2013 zu feiern. Das von Hamburg@work ausgetragene Event findet einmal jährlich statt und prämiert bereits seit 2006 das kreativste und innovativste Startup der digitalen Wirtschaft aus der Metropolregion. In diesem Jahr haben sich rund 50 Startups für den Award beworben. Jedoch nur acht von Ihnen haben es ins Finale geschafft und durften während des Vormittags ihre Kräfte im Speeddating mit der Jury messen. Übrig blieben die drei Finalisten gestigon, Protonet und eboost, die nun vor dem erwartungsvollen Publikum pitchen sollen. Der Gewinner kann sich auf eine Reise ins Silicon Valley freuen.

Die Gewinner des letzten Jahres. Das yieldkit-Team bei der Preisverleigung. (Bild: hamburg@work/ ruebenberg.de)

Kleiner Rückblick: Im letzten Jahr trug das Startup yieldkit den Preis nach Hause. Nach einem langen Pitch-Tag im Penthouse Elb-Panorama in der Hafencity überzeugten sie damals die 14-köpfige Fachjury mit ihrer Idee, mit automatisch generierten Affiliate-Links die Vermarktung von Webseiten einfacher zu gestalten.

In diesem Jahr änderte sich nicht nur die Location sondern auch die Gesamt-Ausrichtung des Events. Während der Fokus des vergangenen Jahres auf dem Bereich E-commerce lag, gab es 2013 keinerlei thematische Einschränkungen. Alle Startup-Ideen waren willkommen. Klein(er) aber fein ist auch die Zusammensetzung der Jury: Vorsitzenden Tarek Müller (netimpact) und seinen sieben entscheidungsfreudigen Kollgen: Sabine Bilen (SAAL ZWEI), Dr. Felix Menden (G + J Digital), Mari Enzensberger (biteBox), Wolfgang Wopperer (mindmatters), Matthias Höfer (T-Systems Multimedia Solutions), Sven Wiesner (beesocial) und Jan Starken (bonprix)) hatten die Qual der Wahl.

Charismatischer Strahlemann: Fridtjof Detzner von jimdo hält die Keynote. Die Geschichte eines der erfolgreichen Startups in Hamburg (Bild: Hamburg@work / Claudia Hettwer

Uwe Jens Neumann, Vorsitzender von Hamburg@work, macht in seiner Begrüßungsrede deutlich, dass Hamburg@work mit dem Webfuture Award 2013 zurück zum Ursprung kehren möchte. Zurück zu den Gründern und ihren Bedürfnissen. Back to the roots also. Die Idee, die dahinter steckt: Gründern eine Plattform bieten, die es ermöglicht, sich zum einen untereinander zu vernetzen aber auch die Chance für regen Austausch mit Experten und Investoren zu bieten. Klingt für mich wie ein neues und viel startup-gerechteres Motto: ‚weniger Sekt, mehr (Root)-Bier‘. Das jedenfalls tat der guten Stimmung im betahaus keinerlei Abbruch. Wir Zuschauer freuten uns gewaltig auf die drei Finalisten. ‚Ready for pitching‘ waren gegen 19:30 Uhr also gestigon aus Lübeck, Protonet und eboost.

Zunächst hielt jedoch Fridjof Detzner, einer der Gründer von Jimdo, eine sympathische Keynote über die Geschichte seines Unternehmens. Innerhalb kürzester Zeit wuchs das Webseiten-Baukausten-Startup auf 150 Mitarbeiter weltweit. Neben Hamburg als festes Headquarter, findet man Jimdo zudem an fernen Destinationen wie San Francisco und in Japan.

Auch auf Krücken immer noch sehr agil.

Unternehmerischer Wachstum bringt nicht nur Glückseligkeit und Reichtum mit sich, wie Fridtjof zu berichten weiß. Trotzdem lacht er herzlich während der gesamten Rede. Weder ein Bänderabriss noch Krücken halten ihn am Ende seiner herrlich unorthodoxen Präsentation davon ab, den Gründer-Greenhorns noch ein paar wichtige Learnings mit auf die Reise zu geben: Immer ein Lächeln übrig haben, die Business-Welt nicht ganz so ernst nehmen und nie aufhören, Grenzen zu sprengen. Aber jetzt mal Butter bei di Fische: Das letzte Pitching beginnt!

Gestigon – Gesten sagen mehr als Worte

Moritz von gestigon zeigt uns die Zukunft: Mit gesten Geräte steuern. (Bild: meins)

Der Gründer Moritz von Grotthuss hält seine Hand vor eine Kamera und auf dem Bildschirm sehen wir, wie sie zu einer comichaften 3D Hand wird, die sich exakt in die Positionen dreht, die Moritz mit seiner Hand vorführt. Das ist gestigon: Ein Softwarepaket zur Erkennung von Hand- und Körpergesten. Das von gestigon patentierte Verfahren nutzt hierzu 3D-Bilddaten und analysiert diese in Echtzeit. Jede Geste löst eine bestimmte, vom Kunden individuell konfigurierbare Aktion aus. Taalke Renken von den Digital Media Women fässt es so zusammen:

‚Gestigon will eine derartige Steuerung, allerdings mit einer anderen Technologie mit Skeletterkennung durch Infrarot-Kameras, in alle möglichen Alltagsbereiche integrieren. So könnte sie zum Beispiel im Auto Einsatz finden, damit der Fahrer zur Bedienung des Radios nicht mehr die Hände vom Lenkrad entfernen muss. Im Gegensatz zur Konkurrenz läuft gestigon übrigens sehr ressourcen-schonend nur auf einem Nebenprozessor, auch dies ist bisher nirgends sonst praktikabel‘

Protonet – gibt dem Nutzer die Datenhoheit zurück

Der überdimensionierte rote Bleistiftanspitzer ist der kleinste Server der Welt.  (Bild: Hamburg@work / Claudia Hettwer

Ali Jelveh betritt die Bühne. Er hat quasi Heimvorteil, da sein Startup Protonet zu einem Großteil im betahaus entstanden ist. Auch die erste Protonet-Box wurde in diesen heiligen Hallen zusammengesetzt. Was kann dieser orangene Kasten, der aussieht, als könne man damit Bleistifte anspitzen? Es ist der kleinste Server der Welt und revolutioniert nach Angaben des Gründers die Cloud. Es stellt eine komplette IT-Infrastruktur inklusive einer integrierten sozialen Plattform dar.

‚Protonet ist ein vollwertiges Netzwerkspeichersystem (NAS) für alle gängigen Betriebssysteme mit bis zu 16 TB. Protonet kombiniert grundlegende Cloud-Funktionalitäten mit den Vorteilen lokaler Hardware: Skalierbarkeit, hohes Speichervolumen und Kontrolle‘.

Der Vorteil für den Nutzer liegt auf der Hand: Er ist ortsunabhängig und sicher, wenn es um den Zugang zu seinen Daten geht aber bleibt immer autark, da seine Daten nur auf seiner Box liegen. Der Server wird bereits von einigen Testkunden erfolgreich genutzt. Das die Protonet-Idee überzeugt, hat das junge Startup vor kurzem bewiesen. Sie sprengten den Seed-Funding Rekord bei seedmatch und sammelten innerhalb von nur 48 Minuten 200.000 Euro ein.

eboost – nie mehr Schnittstellensalat

Schnittstellensalat für Shopbetreiber aufräumen. Mirko und Lars erklären den ChannelPilot. (Bild: auch meins)

Mirko Platz und Lars Niemann von eboost betreten die nun Bühne und zeichnen rote Kreise und Rechtecke auf das Whiteboard. Shopanbieter (Rechtecke) und viele Schnittstellen zu Vermarktungskanälen (Kreise). Sieht wüst aus. Eben dieses Durcheinander entwirrt das Produkt ChannelPilot, das eboost als Cloud Solution anbietet. Nach eigenen Angaben ist eboost der führende Cloud-Solution-Anbieter für professionelles Multi-Channel-Online-Marketing. Es hilft seinen Kunden, die Angebote in bis zu 140 Online-Vermarktungskanälen zu positionieren. Shopbetreiber können so ohne kostspieligen Einsatz von Programmierern ihre Produktdaten in verschiedene Shop-Suchmaschinen und Preisvergleiche einspeisen.

‚Der ChannelPilot überwacht zudem die Listung, wertet die Resonanz intelligent aus und unterstützt Sie bei der Projektplanung, der Skalierung von Vermarktungs-Kampagnen sowie der Auswertung verschiedener Online-Marketing-Indikatoren, wie z.B. Return-on-Investment.‘ (eboost)

And the winner is…

Glückliche Gewinner. Protonet, eboost und gestigon sind stolz, die Top 3 der besten Startups aus Hamburg zu sein.  (Bild: Hamburg@work / Claudia Hettwer

Nun wird es hektisch im betahaus. die Jury zieht sich nochmals zur Beratung zurück und nach einer Bierlänge steht die Entscheidung. Tarek Müller hat die ehrenwerte Aufgabe den Gewinner zu verkünden. Die Spannung steigt. And the winner ist…Protonet! Ali nimmt im Namen seines Mitgründers Christopher Blum und des Teams freudestrahlend den diesjährigen Preis entgegen. Ein einwöchiger Trip ins Silicon Valley. Dort können sich Ali und ein weiteres Teammitglied auf interessante Gespräch mit Wagniskapitalgebern, Inkubatoren und Gründern freuen. Ebenso im Paket: Unternehmensbesuche bei Facebook, Google, Twitter oder Smaato. Ein weiteres Highlight der Reise ins Land der digitalen Träume: Die Teilname am Silicon Valley Innovation Summit im Juli. Hamburg@work wird die Sieger redaktionell begleiten. Das lässt auf viele tolle Bilder hoffen. Moritz von gestigon freut sich derweil über Platz zwei und die Lars und Mirko von eboost steigen auf das bronzene Siegertreppchen. Mein Glückwunsch an dieser Stelle an alle Finalisten!

Fazits beim Networken

Jetzt wird gefeiert und nach Kräften genetworked. Letzteres ist angesichts der kuscheligen Enge nicht weiter schwierig. Tritt man jemandem versehntlich auf den Fuß, nutzt man die Chance einfach, um sich vorzustellen. Das ist ein großer Vorteil der Veranstaltungen im betahaus. Es gibt wenig Hemmungen, Menschen anzusprechen und sich mit ihnen auszutauschen. Echtes Gründer-Feeling, das mir durch die Gründerworkshops des Startup Weekend Hamburgs sehr vertraut ist. Wie gut, dass mir Serhat Kaya über den Weg läuft. Als Mitorganisator des Startup Weekends und aktives Mitglied in der Gründerszene, frage ich ihn nach seiner Meinung zu diesjährigen Webfuture Award.

‚Ich fand es sehr gelungen und begrüße den Strategiewechsel von hamburg@work. Die Location, die Zusammensetzung der Jury und die Themenspannbreite bringen den nötigen Fokus, auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Gründer,‘ sagt Serhat, der hauptberuflich als Sales Manager bei Toptranslation arbeitet und die Begrüßungsrede zum Webfuture Award hielt.

Ein Gedanke bleibt allerdings auf dem Weg nach Hause. Meinem (zugegeben etwas PR-gefärbten) Empfinden nach fehlte etwas, das für die Gründer auch von großer Relevanz ist: Öffentlichkeit, sprich reichlich Pressevertreter. Mir fehlten die ‚Karla-Kolummnas‘ der Webszene und der Hamburger Lokalmedien. Der Webfuture Award ist eine wichtige Auszeichnung für die Gründer und für die Hansestadt als Gründermetropole. Da wäre es hilfreich, wenn die Öffentlichkeit noch mehr davon mitbekommt.

Trotz alledem kann ich ein sehr positives Fazit zu diesem Abend ziehen und hoffe für die Sieger, dass sie ein großartiges Jahr als innovativstes und kreativtes Startup Hamburgs haben, um den Preis beim nächsten Webfuture Award mit zahlreichen neuen Erfahrungen an ihre Nachfolger weiterzureichen.

 

Für mehr Informationen zum Webfuture Award 2013, Hamburg@work und den teilnehmenden Startups lege ich Euch, wie immer, mein keeeb-Board ans Herz.

 

 

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  1. Hi,
    schöner Beitrag. Macht’s dir was aus, meinen Namen noch zu korrigieren? „Taalke“, also mit zwei a, wäre richtig.

    Danke und viele Grüße

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