Crowdfunding - das Hamburger Startup Wechselwild will damit die neue Schmucklinie finanzieren

Crowdfunding – das Hamburger Startup Wechselwild will damit die neue Schmucklinie finanzieren

Crowdfunding – ein Begriff der eng mit seinen Erfolgsstories in der Startup- und Kreativ-Welt verknüpft ist: AoTerraProtonet, Sugarshape, störsender.tv um nur einige zu nennen. Wer viele geniale Ideen hat, aber zu wenig Geld, um sie umzusetzen, hat mittlerweile auf diversen Internet-Plattformen die Möglichkeit das fehlende Investment von der Crowd zu bekommen. Eine Welteroberungs-Anbahnungs-Idee hatten auch Sebastian Schäder und Edin Zekanovic vom Hamburger Startup Wechselwild: Um ihren Traum von einer Schmucklinie mit tauschbaren Wechselbildern wahr werden zu lassen, fehlte es an Kapital. Wechselwild produziert bereits seit 2009 gemeinsam mit Ihrer kreativen Community von 3500 Designern magnetische Wechselbilder für ihre Gürtel und Caps.

Jetzt soll die Schmucklinie die Herzen der Mädels höher schlagen lassen und über eine startnext-Kampange finanziert werden. Ich habe das Team ein wenig bei der Konzeption der Kampagne unterstützt und durfte dabei hinter die Kulissen schauen. Dafür gibt es jetzt für Euch die wichtigsten Punkte für eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne!

Crowdfunding-Hype – alles Definitionssache

Immer mehr Geld von der Crowd: Die Entwicklung der Schwarm-Investments (Quelle: http://www.fuer-gruender.de/kapital/eigenkapital/crowd-funding/monitor/)

Immer mehr Geld von der Crowd: Die Entwicklung der Schwarm-Investments (Quelle: http://www.fuer-gruender.de/kapital/eigenkapital/crowd-funding/monitor/)

Die nicht gerade für ihre Verschwendungssucht bekannten Deutschen investierten bereits 2012 rund 2 Mio. Euro in Crowdfunding für kreative Projekte. Stolze 4,8 Mio. ließen sie für Schwarm-Investments in Startups springen. Die Tendenz für 2013 ist deutlich steigend.

Online-Marketing-Experte und Investor Thomas Promny hat das Thema Crowdfunding bereits ad acta gelegt und in seinem Beitrag ‘take the money and run’ plausibel erläutert, warum es sich dabei um einen Hype handelt, der bald sein Ende finden muss. Daher ist es wichtig, das weite und sprießende Feld Crowdfunding zunächst einmal klar in zwei Bereiche abzustecken: Crowdinvesting und Crowdfunding. Unter Crowdinvesting fällt z.B. die Dresdner Plattform Seedmatch. Hier haben u.a. die Hamburger Jungs von Protonet stolze 200.000 Euro in rekordverdächtigen 48 (!) Minuten eingesammelt. Bei Seedmatch

‘ …geht es um Investitionen in Startups. Eine größere Anzahl Personen beteiligt sich dabei direkt an einem Unternehmen. Sie erhalten stille Beteiligungen, die ihnen die Möglichkeit auf eine Rendite bieten. Insgesamt sind die gesammelten Gelder hier größer als beim Crowdfunding’,

schreibt t3n und macht so den Unterschied zum Crowdfunding deutlich, denn

‘hier werden bestimmte Produkte und Projekte, wie beispielsweise ein Film, ein neues Musikalbum, ein 3D-Drucker oder ein Fotoaufsatz für ein Smartphone finanziert. Die Unterstützer erhalten für ihr finanzielles Engagement eine Erwähnung auf dem Cover, ein vergünstigtes Produkt oder ähnliche Dinge.‘ (Quelle: t3n)

Crowfunding-Plattformen wie startnext, oder die amerikanischen Vorreiter indiegogo und kickstarter folgen drei gemeinsamen Gesetzen, die sie vom Crowdinvesting unterscheiden: Dem Alles-oder-nichts-Prinzip, dem Prämien-Prinzip und dem Transparenz-Prinzip. Bei genauer Betrachtung ist das Verhältnis zur Crowd ein wenig wie das zu einer Frau: Sprich mit ihr, mache ansprechende und wohl-überlegte Geschenke, und gib ihr das Gefühl, sie wisse über all deine Aktivitäten Bescheid. Dann klappt’s auch mit dem Funding. Ein schönes Beispiel ist die kickstarter-Kampagne von Amanda Palmer für die Produktion ihres neues Albums. Sie sammelte sagenhafte $1,192,793 ein!

Die Wechselwild-Kampagne und ihre Learnings

Die Wechselwilden: Sebastian (l.) und Edin (r.)

Die Wechselwilden: Sebastian (l.) und Edin (r.)

Das Wechselwild-Team hat sich bewusst für startnext als Plattform entschieden:

‘Startnext ist im Gegensatz zum Crowdinvesting die kleinere Hürde und wir können so früher mit dem Schmuck an den Start gehen, das ist im Moment das Wichtigste. Hinzu kommt, dass wir hier klar den Schmuck fokussieren und wir so schon Reichweite für die neue Produktlinie aufbauen.’ sagt Sebastian.

Dass Crowdfunding kein Spaziergang ist, haben auch die Jungs von Wechselwild schnell gemerkt. Daher mein Tipp: Wenn Ihr eine Crowdfunding-Aktion vorhabt, macht Euch zu allererst einen Projekt-Plan mit Timing und (ja, auch wenn’s doof klingt) einer Budgetierung für Zeit und Geld (besonders für die Produktion eines Videos, das bei Plattformen wie Startnext Pflicht sind.) Die Wichtigsten sechs Punkte, die Ihr im Projekt-Plan bedenken solltet lauten:

1. Definition des Funding-Produkts: Macht Euch klar, wofür wollt Ihr das Geld einsammeln wollt. Erst dann könnt Ihr es auch in einer Community kommunizieren. Hier ist es besonders wichtig, dass ihr der Community in eurem Video und im Crowdfunding-Profil schnell und einleuchtend erklären könnt, wofür Ihr ihre Unterstüztung braucht. Ist die Kommunikation des Projekts zu kompliziert, wird vermutlich niemand investieren.

2. Zeitrahmen: Crowdfunding hat bestimmte Zeitabläufe, die von den Plattformen vorgeben werden. Bei startnext gibt es zwei wesentliche Phasen, die erst freigeschaltet werden wenn Ihr eine lange Hausaufgaben-Liste abgearbeitet habt:

Startphase: Die Fans der startnext-Community entscheiden, ob ein Projekt überhaupt in die Fundingphase kommt. Darum nenne ich diese Phase auch die ‘Like-Phase’. Die Höhe des Fundingslimits ist ausschlaggebend für die benötigte Anzahl an Supportern, die ihr nun sammeln müsst. Als Beispiel: 75 Fans waren notwendig, um die gewählte Fundingschwelle der Wechselwilden von 7500 Euro zu erreichen. Die Fanzahl war für das Team kein Problem: Die Wechselwild-Facebook-Community war von Beginn an über die Kampagne informiert und half, das Limit in nur einem Tag zu erreichen. Die ‘Like-Phase‘ kann bis zu 30 Tage dauern aber auch jeder Zeit beendet werden, um in die

Finanzierungsphase zu gelangen: Diese dauert 60 Tage (zzgl. dem Rest der vorzeitig beendeten ‘Like-Phase’ aber maximal 90 Tage). Nun gilt es ordentlich die Crowdfunding-Werbetrommel zu rühren und nicht den Mut zu verlieren. Erfahrungsgemäß sind die ersten 40% der Funding-Höhe die größte Hürde.

3. Budget: Welches Budget steht Euch für die Produktion eines Videos zur Verfügung? Muss ein Prototyp hergestellt werden, solltet Ihr auch dafür die Kosten vorab einplanen. Ebenso wichtig wie das Geld ist auch die Zeit, die eingeplant werden muss, um die Betreuung der Kommunikation des Projektes zu garantieren. Rechnet damit, dass Ihr mindestens zwei Monate an kommunikativen Aufwand mit Euer Community haben werdet. Das erfordert ein großes zeitliches Budget, denn der Buzz muss über einen längeren Zeitraum und besonders während der Fundingphase massiv weiterbrummen.

4. Fundinghöhe: Die Fundinghöhe ist eine kritische Größe. Ist sie zu hoch, kann es sein, dass Ihr sie nicht erreicht, und alles umsonst gewesen ist. Denn beim Crowdfunding gilt das ‘Alles-oder-nichts-Prinzip’.  Eine Faustregel für einen Richtwert ist: Stellt eine Liste von Freunden, Familie und Bekannten zusammen, mit deren Unterstützung ihr rechnen könnt. Halbiert sie und rechnet pro Unterstützer mit einem Betrag von 20-40€. Die zusätzliche Unbekannte x der neuen Unterstützer sollte nicht zu hoch ausfallen.

Wechselwild-Videodreh im alten Elbtunnel

Wechselwild-Videodreh im alten Elbtunnel

5. Video-Produktion: Nehmt Euch ein wenig Zeit für die Produktion eines Videos und kalkuliert die Kosten sinnvoll im Verhältnis zum Outcome des Fundings. Wichtig ist, dass ihr zugügig erläutert, was ihr mit Eurer Kampagne vorhabt. Authentizität und Originalität ersetzen in diesem Zusammenhang oft ein großes Budget! Wechselwild hat sich mit dem Video große Mühe gegeben und hat sinnvoller Weise die weibliche Zielgruppe in Form von Bloggerinnen und einer Illustratorin mit ins Boot geholt.

Steffen Peschel von Kultur2Punktnull hat einen sehr informativen Beitrag über Pitching-Videos geschrieben. Hier könnt ihr Euch viele Ideen holen.

6. Kommunikation und Promotion:  Besonders ein Crowdfunding-Projekt sollte durch eine möglichst transparente Kommunikation glänzen. Wie oben bereits beschrieben ist das spannende Story-Telling Eures Projektes ausschlaggebend für den Erfolg der Kampagne. Mein Tipp: Zieht Eure Community von Anfang an mit in den Bann. Erzählt so früh wie möglich auf Euren Social Media Kanälen und Blogs von Eurem Vorhaben und nehmt Eure Kunden und Fans mit auf die Reise. Bindet Sie über Umfragen mit in den Prozess ein und baut den Buzz um Euer Projekt nach und nach auf. Sammelt Eindrücke in Form von Bildern und Video-Outtakes von dem voranschreitenden Projekt und haltet die Fans über Euren eigenen und den Plattform-Blog auf dem Laufenden. Dann heißt es nicht den Mut verlieren, wenn die Fundingschwelle nicht am ersten Tag geknackt ist.

Und haben die Wechselwilden Angst, dass die Funding-Schwelle nicht erreicht wird?

Wechseljunges: Meine Kids lieben die Gürtel und werden den Schmuck schnell für sich entdecken...

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 ‘Die Angst ist ganz klar, dass die Zielgruppe, die in Startnext-Projekte investiert eine andere ist als die, die sich für den Schmuck begeistern lässt. Allerdings lebt Wechselwild von Anfang an von den persönlichen Empfehlungen und der Fanbase – ich gehe davon aus, dass wir auch für das Schmuckprojekt genügend Unterstützer finden. Es warten auch noch einige spannende Prämien, die es vorerst exklusiv bei Startnext geben wird’,

meint Sebastian zuversichtlich. So drücke ich natürlich besonders Sebastian und Edin die Daumen, denn als Investorin freue ich mich schon wie Bolle, endlich meinen Schmuck tragen zu können. Das heißt, wenn ich ihn vor meinen Mädels verstecken kann!

Mehr Lesenswertes und Links zum Thema Crowdfunding findet Ihr in meinem keeeb-Board