Backyard TV: Crowdfunding – ist die Crowd die bessere Bank? Der zweite Film der Initiative Hamburg@work

Ist die Crowd die bessere Bank? Seit 2011 wurden in Deutschland allein im Crowdinvesting-Segment über 13 Mio. Euro eingesammelt. Tendenz laut Crowdinvesting-Monitor weiter steigend. Millionen-Kampagnen, wie die von AOTerra oder aktuell die des Tech-Startups eVolo, das zu 1200% durch Mikroinvestoren finanziert wurde, lassen die Startup-Welt jubeln. Community-finanzierte Filmprojekte, wie z.B. ‚stoersender.TV’ vom kürzlich verstorbenen Kabarettisten Dieter Hildebrandt oder ‚Stromberg- der Film’ sind nur einige Beispiele aus dem Crowdfunding-Bereich, die Banken irgendwie alt(modisch) aussehen lassen. Doch ist es tatsächlich DAS All-Geld-Mittel und sollte zukünftig jeder klamme Kulturfreund oder Gründer die Community um Geld bitten? Der zweite Backyard TV Film ‚Crowdfunding’ leuchtet dieses Thema etwas aus. Ich möchte ihn Euch hiermit wärmstens ans Herz legen!

Selbstverständlich könnt Ihr Euch in diesem Beitrag zudem auf ein paar weitere Learnings für gute Crowdfunding-Kampagnen freuen! Die Deutsche Startups-Autorin Elke Fleing wird etwas aus dem PR-Nähkästchen plaudern, die Crowdfunding- Experten Wolfgang Gumpelmaier und der Journalist Gunnar Sohn haben zudem noch ein paar hilfreiche Tipps und Ratschläge für Euch in petto.

Backyard TV: Crowdfunding  – der Film

Im Rahmen meiner Arbeit bei beebop hatte ich zum zweiten Mal das Vergnügen die redaktionelle Leitung für das Filmprojekt Backyard TV der Initiative Hamburg@work zu übernehmen. Die Aufgaben: Recherche, Planung, spannende Interview-Partner auswählen, ansprechen, mit der Idee anstecken und final vor der Kamera zum Buzz-Thema ‘Crowdfunding’ auszuquetschen. Mehr zum Projekt selbst erfahrt ihr hier.

 

Die Interviewpartner sind allesamt vertraut mit dem Thema Crowdfunding. Den Speakern, wie auch dem wunderbaren Film Team authentic.media gilt mein besonderer Dank für die Hilfe bei der Realisierung des zweiten Filmes:

 

Sina Greinert

Sina Greinert ist Projektleiterin bei der regionalen Crowdfunding-Plattform Nordstarter. Die Plattform wurde 2011 von der Hamburg Kreativ Gesellschaft gestartet, um Hamburgs Kreativen Zugang zu finanziellen Mitteln zu erleichtern und gleichzeitig verstärkte Aufmerksamkeit zu bieten und sie durch Workshops und PR-Hilfe zu unterstützen.

 

 

Daniel Bröckerhoff

Daniel Bröckerhoff arbeitet als freier Journalist, Autor und Moderator u. a. für das Medien-Magazin ‚Zapp’ und ‚Klub Konkret’. Zudem war er Mit-Initiator der Crowdfunding-Kampagne „st_ry – Deine Doku“, die über startnext finanziert werden sollte. Leider war die Crowdfunding/ Crowdsourcing-Kampagne nicht erfolgreich. Aber Daniel macht mit dem Team weiter!

 

 

Thomas Promny

Als bekennender Skeptiker des Crowdinvesting-Hypes spricht der Internet-Unternehmer Thomas Promny über seine Erfahrungen mit dem Thema. Sein Blogpost ‚Take the money and run’ sorgte für Wirbel in der Szene, weil er vor dem Overhype des Themas warnt.

 

 

 

Die SugarShape Schwestern

Die Schwestern Laura Gollers und Sabrina Schönborn sind Gründerinnen des Dessous-Labels „SugarShape“ und zündeten ihr Start-up mit einer Crowdinvesting-Kampagne auf Seedmatch. Mit ihrem preisgekrönten SugarShape-Konzept haben die Gründerinnen sich zum Ziel gesetzt, den Dessousmarkt zu revolutionieren. Das Angebot an BHs für Frauen, die große Cups benötigen, ist stark begrenzt und es mangelt oft an jungen Modellschnitten, frischen Designs und einer guten Passform.

 

 

PR für Crowdfunding-Kampagnen – ein kurzes Interview mit der Deutsche-Startups- Autorin Elke Fleing

 

Elke Fleing

Elke Fleing hat sich der Mission ‚den Stern eines Unternehmens leuchten lassen‘ verschrieben. Als Beraterin für kleine Unternehmen und KMU zu Positionierung und Kommunikation, Webworkerin, Texterin, Sachbuchautorin und Seminarleiterin folgt sie dieser Mission.

Im Social Web findet man Elke Fleing überall unter ihrem eigenen Namen, so z. B. bei Twitter, Facebook, Google+, Xing oder LinkedIn.

 

Elke, wann ist eine Crowdfunding/investing Kampagne für einen Journalisten interessant, um darüber zu berichten?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Es kommt auf das Medium an und auf die Interessen der jeweiligen Leserschaft: Für die Leser von Brigitte online sind sicher andere und deutlich weniger Crowdfunding-Kampagnen überhaupt interessant als zum Beispiel für die Leser eines auf Start-ups spezialisierten Mediums.

Aber wenn etwas sehr Spektakuläres rund um ein Crowdfunding-Projekt herum passiert, dessen gesamtes Umfeld-Thema gerade brandaktuell ist, kann es sogar sein, dass ‚branchenfremde‘ Medien aufspringen. Beispiel: Die Crowdfunding-Kampagnen von Start-ups, deren Geschäftsmodelle sehr viel mit Datensicherheit zu tun haben, waren sicher für viele Medien relevant, als die NSA-Geschichte aufpoppte.

Für auf Start-ups oder die Investoren-Szene spezialisierte Medien kann eine Crowdfunding-Kampagne jederzeit relevant sein. Vor ihrem Start, während sie läuft und etwas Spektakuläres um sie herum passiert, nachdem sie gelungen oder gescheitert ist. Und später noch einmal, wenn man die Entwicklung des Unternehmens aufzeigen möchte, dem der Start erst durch Crowdfunding überhaupt möglich war.

Welche nachrichtenwertigen Faktoren müssen gegeben sein?

Die einer jeden guten Nachricht: Aktualität, also Neuigkeitswert und Informationswert. Gut erklärt hat das zum Beispiel Tilman Eberle von Doodle im Artikel Mit Issue Setting einen Fußabdruck in Massenmedien hinterlassen

Gibt es DEN richtigen Zeitpunkt, um die Medien mit der Kampagne anzusprechen? Wenn ja, wann wäre der?

Immer dann, wenn irgendetwas Spektakuläres ansteht oder geschehen ist. Am besten mit zeitlichem Vorlauf für die Journalisten, falls sich das ‚Spekatkuläre‘ planen lässt, damit sie nicht unter großem Zeitdruck produzieren müssen. Zu frühe Veröffentlichungen kann man vermeiden, indem man die Journalisten darum bittet, eine Sperrfrist – möglichst mit Datum und Uhrzeit versehen – einzuhalten. Die allermeisten Journalisten halten sich daran.

Welchen Tipp würdest du den Startern als Journalistin geben, wenn es um die richtige Ansprache der Medien geht?

Meine wichtigsten Tipps dazu sind in meiner Präsentation PR-Tipps für Start-ups versammelt, die gesamte Session dazu gibt es beim Reeperbahn-Festival-Video zu sehen.

Kannst Du eine Crowdfunding-Kampagne nennen, die dich persönlich besonders beeindruckt hat?

Wirklich herausragend fand ich das Seedmatch-Video von Protonet. Das schrieb ich auch schon im Artikel bei deutsche-startups.de, in dem ich Protonet vorstellte: „Das Video zum Crowdfunding sollte man sich übrigens unbedingt als Inspiration ansehen. Es ist großartig. Richtig gutes Storytelling. Chapeau! an die Three-Headed-Monkeys, die für das Storyboard verantwortlich zeichnen.“

Ich kann mir sogar vorstellen, dass dieses Video nicht ganz unschuldig daran war, dass Protonet gerade bei deutsche-startups.de zum Start-up des Jahres 2013 gewählt wurde.

 Danke für das Gespräch!

 

Crowdfunding-Pro-Tipps

 

Wolfgang Gumpelmaier

Wolfgang Gumpelmaier, Experte im Institut für Kommunikation in sozialen Medien für Crowdfunding, vor allem im Bereich Film, hat sich der Definition und Differenzierung des Themas angenommen.

Crowdfunding und Crowdinvesting

‚Im öffentlichen Diskurs wird immer wieder der Fehler gemacht, die verschiedenen Arten von Crowdfunding durcheinander zu bringen. Beim reward-based Crowdfunding, wie wir es von Kickstarter, Indiegogo oder z.B. Nordstarter kennen, werden den Unterstützern Gegenleistungen versprochen. Das kann eine DVD sein oder eine Einladung oder das Endprodukt. Beim equity-based Crowdfunding oder auch Crowdinvesting besteht diese Gegenleistung aus einer Erfolgsbeteiligung am Unternehmen. Das ist ein wesentlicher Unterschied, der vielen aber nicht bewusst ist. Mehr dazu findet man in meinem Blogartikel auf ikosom mit dem Titel „Die vier Arten von Crowdfunding“.

Ein guter Rat: Überschätzt Euch nicht!

Ich gebe Daniel Bröckerhoff Recht, dass eines der Risiken beim Crowdfunding darin besteht, sich selbst zu überschätzen. Eine gute Vorbereitung ist das A und O einer Crowdfunding-Kampagne. Nicht nur was die Prämien und das Projektvideo angeht, sondern vor allem auch die Kommunikation, das Timing und auch die Zeit nach dem Crowdfunding. Amanda Palmer hatte beispielsweise all ihren Unterstützen „free shipping“ ihres Albums angeboten. Ein Fehler, den sie kein zweites Mal machen wird, denn rund 300.000 Dollar ihrer insgesamt 1,2 Millionen gingen für die Versandkosten drauf.‘

 

Gunnar Sohn

Gunnar Sohn, selbst Crowdfunder,  Wirtschaftspublizist und Medienberater ist Chefredakteur des Onlinemagazins NeueNachricht, schreibt u.a. für den European über das Thema Crowdfunding und die ökönomischen Möglichkeiten, die daraus entstehen.

Ökonomisches Potential 

‚Crowdfunding hat das Potenzial, die Spielregeln der Ökonomie radikal zu verändern – und nicht nur die digitale Variante. Anbieter werben nicht mehr für den Kauf eines Produktes, sondern für die freiwillige Unterstützung bei der Realisierung (Pre-Order-Modell) und bei der Aufrechterhaltung des Angebots.

Das ist weitaus schwieriger, als im Verborgenen irgendetwas auszubrüten und es dann mit großem Marketing-Geschrei unter die Leute zu bringen. Man muss die Menschen für eine Sache begeistern: Und das schon bei der Ausbreitung der Ideenskizze auf Plattformen wie „Kickstarter“ oder „Startnext“. Jeder Schritt, jeder Fortgang und jede Verfeinerung des Projektes wird mit dem Unterstützerkreis geteilt und durch die Reaktionen der Kunden, die in Vorkasse gehen, verbessert.

Es ist die perfekte Form einer Ökonomie der Beteiligung, die sich im Crowdfunding manifestiert. Es könnte das etablierte Finanzsystem in den Schatten stellen, Unternehmensgründungen beflügeln, als Katalysator für Innovationen fungieren und für eine Demokratisierung der Beziehungen zwischen Unternehmen und Konsumenten beitragen.’

Noch einen für’n Weg

Mein Interview-Partner Daniel Bröckerhoff, hat kürzlich eine Präsentation zu Crowdfunding veröffentlicht, die nicht nur ein perfekte Definition und damit Differenzierung zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting ermöglicht, sondern auch ein paar weitere gute Tipps zu richtigen Plattform und Finanzierungsformen gibt. Prädikat sehenswert!

Abschließend kann ich Euch noch meinen Blogpost zu Wechselwild-Schmuck-Kampagne mit auf dem Weg geben. Hier erfahrt ihr wissenswertes über Timings und Konzeption. Allen Startern wünsche ich viel Erfolg auf Ihrem Weg zur perfekten Kampagne!